Tag 4: Wendefurth – Thale

Am 4. und letzten Tag unserer Trekkingtour auf dem Harzer-Hexen-Stieg führte uns der Weg an Altenbrak vorbei und danach durch den Ort Treseburg. Am Ende des ca. 20 km langen Weges sollte dann der Zielort Thale auf uns warten.

Der Tagesanbruch

Aufbruchstimmung
Aufbruchstimmung

Die Nacht war wieder unfassbar kalt und mein Gesicht vereiste zunehmend, da es aus dem Schlafsack herausguckte. Den Kopf in den Schlafsack zu ziehen war allerdings auch keine Lösung, da die warme Luftfeuchtigkeit echt unangenehm war. Nach vielem Hin und Her fand ich endlich eine Position, in der ich komplett im Schlafsack lag und meine Nase und mein Mund am kleinen zugezogenen Schlafsackausgang lagen. So konnte ich dann endlich in Ruhe schlafen. Den Wecker hatten wir uns für 7:00 Uhr gestellt, allerdings wachten wir bereits 6:30 Uhr auf und starteten direkt in den Tag.

Auf in die letzte Etappe

7:00 Uhr ging es dann schon los in die letzte Etappe. Frühstück ließen wir ausfallen, da es einfach zu kalt war. Aufgrund der Kälte waren Mütze und Handschuhe wieder Pflicht. Wir wanderten dann noch durch den restlichen Wald und erreichten anschließend den Ort Altenbrak. Durchqueren mussten wir den Ort allerdings nicht, da dieser im Tal lag und wir über die höhergelegene Umgebung am Ort vorbeilaufen mussten. Somit konnten wir den sehr langgezogenen Ort von oben bewundern. Der weitere Weg führte uns wieder durch karge Laubwälder bis wir dann den Ort Treseburg erreichten und durchqueren mussten.

Trostlose Landschaften
Trostlose Landschaften

In Treseburg kamen wir an einem riesigen Hotel vorbei, in dessen Erdgeschoss gerade alle Hotelgäste am Frühstücken waren. Wieder einmal waren alle Augen auf uns gerichtet, als ob wir Außerirdische gewesen wären. Am Ende des Ortes überquerten wir eine kleine Brücke. Bei dem danach folgenden Weg handelte es sich um einen kleinen Trampelpfad, neben dem ein Schild mit der Aufschrift „Achtung Lebensgefahr! Durchgang verboten“ stand. Da der Weg allerdings sehr stark begangen aussah, machten wir uns diesbezüglich keine Gedanken. Einige hundert Meter weiter legten wir gegen 9:35 Uhr erst einmal eine kurze Frühstückspause ein.

Endspurt nach Thale

Nachdem wir unsere Energiereserven ein wenig aufgefüllt hatten, machten wir uns auf in den letzten Teilabschnitt, der im Zielort Thale sein Ende finden sollte. Der Weg führte uns dauerhaft an der Bode entlang und weiterhin durch karge Laubwälder. Hier und da lag noch ein kleiner umgestürzter Baum auf dem Weg, was für uns allerdings kein Hindernis darstellte. Interessanterweise kamen uns immer mehr Menschen mit einem Tagesrucksack entgegen. Irgendwo musste hier ein Nest sein.

Bodetal
Bodetal

Nach einigen Kilometern erreichten wir dann die Teufelsbrücke. Eine kleine Brücke, die mit einem Teufelsgesicht verziert war und anscheinend ein beliebtes Touristenziel war bzw. viel mehr Bestandteil der beliebten Bodetal-Route. Wenige hundert Meter weiter tauchte das erste Restaurant auf und immer mehr Menschen kamen uns entgegen, so dass man aufhörte sich zu grüßen. Wir waren zurück in der Zivilisation.

Zieeeeeeel!!!

Wir liefen dann noch das restlichen Stückchen durch Thale und pausierten noch einmal kurz. Hätten wir gewusst, dass wir nur 100 Meter vom Ziel entfernt waren, hätten wir natürlich ohne Pause durchgezogen. Wir posierten noch kurz vor dem Start/Ziel Schild und danach wurde sofort nach etwas Essbarem gesucht denn ich war ausgehungert. Gefeiert wurde unsere erfolgreiche Harzer-Hexen-Stieg-Begehung mit einem Döner.

Start/Ziel Schild Harzer-Hexen-Stieg
Start/Ziel Schild Harzer-Hexen-Stieg

Mir stand die Anstrengung der letzten Tage ins Gesicht geschrieben und ich freute mich bereits auf die kommende Nacht in meinem trockenen, warmen und weichen Bett. Nachdem wir unseren Döner verspeist hatten, machten wir uns direkt auf den Rückweg. Einen Teil der Strecke konnten wir noch gemeinsam zurücklegen und dann hieß es Abschied nehmen. Nach all den Qualen, vielen Abenteuern und gemeinsamen Erlebnissen. Weiter ging es dann über Halle, wo ich 45 Minuten Umsteigezeit zur Verfügung hatte. Natürlich habe ich mir direkt wieder etwas zu essen gekauft. Mit dem ICE ging es dann noch das restliche Stück nach Berlin, so dass ich abends endlich zuhause war.

Fazit

Aus meinem ursprünglichen Plan eine schöne Frülingstrekkingtour durch aufblühende Landschaften zu machen wurde dann doch eine richtige Winterwanderung bei eisiger Kälte, Schnee und Nässe. Allerdings hatte diese Winterwanderung auch seinen ganz eigenen Charme, da die grünen sowie schneebedeckten Nadelwälder wirklich sehenswert waren. Durch die Nässe und Kälte zehrte die Trekkingtour allerdings deutlich mehr an einem als eine Schönwettertour. Mein persönliches Highlight der Tour war der abenteuerliche abgesperrte Streckenabschnitt am 2. Tag. Einfach grandios. Mit Ausnahme des teilweise bescheidenen Wetters hat mir der Harzer-Hexen-Stieg wirklich sehr gut gefallen. Auch Johann war als Reisepartner eine hervorragende Wahl, da wir wirklich sehr gut harmoniert haben. Mich würde letztendlich aber interessieren, wie man die Route im Sommer erlebt, wenn auf den letzten 1,5 Etappen die Laubwälder in vollem Saft stehen.

2 Comments

  1. Leonie

    Hey, danke für diesen spannenden Reisebericht. War unterhaltsam durchzulesen… und bei nächtlichem Zeltaufbau, schneidender Kälte und schmerzenden Archillissehnen habe ich richtig mitgelitten. Sehr schade dass Campen und Biwakieren im Harz verboten sind. In vielen Wanderregionen gibt es wenigstens Trekking-Camps entlang der Routen, kleine Plätze mit Feuerstelle und manchmal sogar ner Komposttoilette. Davon habe ich aber für den Harz nichts finden können.

    Jedenfalls freue ich mich nach deinem Bericht schon auf meine Schlecht-Wetter-Tour kommende Woche.

    1. Sven

      Freut mich, dass dir mein Reisebericht gefallen hat. :D

      Das sehe ich genauso. Wirklich schade, dass es so ein Krampf ist mit dem Campen im Harz. Es gibt tatsächlich keine Zeltplätze, Trekking-Camps oder ähnliche Möglichkeiten um zu übernachten. Da muss man dann wieder etwas kreativ werden.

      Ich wünsche dir jedenfalls eine tolle Tour und schöneres Wetter! Wobei es von den Temperaturen her ja auch schon wieder in Richtung 0°C geht und die Wettervorhersage auch nicht so rosig aussieht. Ich drück dir die Daumen. :)

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