Fazit zum GR20

Der GR20 ist definitiv eine der anspruchsvollsten Trekking-Touren im europäischen Raum. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ihn etwas unterschätzt habe und das obwohl ich mich schon auf große Strapazen eingestellt habe. Das täglich wiederkehrende Auf und Ab über so viele Höhenmeter hat mich tatsächlich an meine Grenzen gebracht, wobei hierbei die Hitze eine wesentliche Rolle gespielt hat.

Körperliche Strapazen

Der GR20 Süd brachte mich mehrmals an meine Grenzen, so dass das Laufen nur noch eine Quälerei war und keinen Spaß mehr gemacht hat. Dass ich die vom Wanderführer vorgegebenen Zeiten jeden Tag um 1 bis 3 Stunden überzogen habe, spricht da bereits für sich. Der GR20 Nord war temperaturtechnisch hingegen ziemlich kalt. Und siehe da, ich habe jeden Tag deutlich weniger Zeit benötigt als der Wanderführer vorgegeben hat. Daher konnte ich sogar 3 Etappen doppeln. Wobei mir hier vermutlich auch zugutekam, dass der Rucksack langsam leichter wurde und der Körper mittlerweile an die tägliche Belastung gewöhnt war.

Trinkwasser ist überlebenswichtig!

Interessant war auch die Erfahrung sich das Trinkwasser unterwegs genau einzuteilen und sich über Quellen zu informieren, die auf dem Weg oder leicht abseits des Weges liegen. Andernfalls bestand die Gefahr der Dehydration. Die Wasserthematik war vor allem auf dem GR20 Süd elementar. Auf dem GR20 Nord musste man sich hingegen keine Sorgen machen, da bei dem kalten Wetter vergleichsweise wenig Wasser benötigt wurde. Zudem gab es in der Regel eh keine Quellen unterwegs.

Strapazen > Panorama

Wer den GR20 laufen möchte um sich primär schöne Panoramen anzusehen und die Bergwelt zu bewundern, der wird mit dem GR20 nicht glücklich werden. Die körperlichen und psychischen Strapazen überschatten auf dem GR20 alles. Wer eine echte körperliche Herausforderung sucht und nebenher die Bergwelt genießen möchte, der kommt mit dem GR20 allerdings voll auf seine Kosten. Insbesondere die vielen, teilweise recht gewagten Klettereinlagen verlangen einem schon einiges ab. Wobei mir die Klettereinlagen enorm gut gefallen habe und ich mir in Zukunft noch mehr Strecken wünschen würde, die dieses Maß an Kletterei aufweisen.

Knieschmerzen, Rucksackgewicht und Verpflegung

Weniger schön waren allerdings die zeitweise massiven Knieschmerzen, die durch die langen Abstiege zustande gekommen sind. Allerdings war ich mit diesem Problem nicht allein. Viele Trekker waren mit Kniebandagen unterwegs und einige Leute brachen den GR20 sogar aufgrund der Knieschmerzen ab. Nachdem ich wieder in Deutschland war, hat es noch einen ganzen Monat gedauert bis ich wieder ohne Knieschmerzen Treppen steigen konnte. Sicherlich hat auch mein 21 kg schwerer Rucksack zu den Schmerzen beigetragen aber als Selbstversorger muss man mit diesem Gewicht rechnen. Ich war auch echt glücklich, dass ich es mit so einem schweren Rucksack über den GR20 Nord geschafft habe. Allerdings haben mich viele Trekker mit großen Augen angeguckt wenn sie erfahren haben wie schwer mein Rucksack ist. Glücklicherweise haben mich meine Trekkingstöcke super entlastet und auch den ein oder anderen Sturz verhindert. Wer den GR20 etwas entspannter laufen möchte, der sollte weniger Nahrungsmittel mitnehmen und dann jeden Abend auf den Hütten essen. Hierzu sollten 22 bis 25 Euro pro Person eingeplant werden.

Lieblingsetappen

2 Etappen sind mir beim GR20 besonders gut in Erinnerung geblieben. Einerseits „Tag 9: Refuge de l’Onda – Refuge de Manganu„, da die Wanderung durch die Wolken einfach ein geniales Erlebnis war. Zudem haben auch die auf dem Boden herumliegenden und nach Watte aussehenden Wolken einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Auch das stürmische Wetter und die drohende Orientierungslosigkeit waren einfach ein mega Abenteuer. Andererseits „Tag 12: Refuge de Tighiettu – Refuge Asco Stagnu„, da die Besteigung des Monte Cinto ein echtes Highlight darstellte und einen super Ausblick über fast ganz Korsika ermöglichte. Jeder der am Monte Cinto vorbeikommt sollte sich die 2 Stunden Zeit nehmen und diesen tollen Berg besteigen.

Was ist eigentlich aus den Schuhen geworden?!

Die Problematik mit meinen Schuhen war natürlich ziemlich ärgerlich. Allerdings hat meine Übergangslösung mit dem Tape glücklicherweise bis zum Ende des GR20 gehalten. Ich bin gespannt was der Hersteller dazu sagt. Seitdem ich meine Trekkingstiefel eingeschickt habe sind bereits 6 Wochen vergangen. Man darf gespannt sein.

Fazit kurz und bündig

Insgesamt kann ich festhalten, dass der GR20 ein sehr besonderes und herausforderndes Abenteuer war, welches ich allerdings niemandem in meinem Bekanntenkreis empfehlen würde. ;D

3 Comments

  1. Rico

    Hat wieder viel Spaß gemacht deine Berichte zu lesen. :)
    Freut mich, dass du einige Trekker kennengelernt hast und deine Erlebnisse vor Ort teilen konntest. Ist ja doch nochmal was anderes als die komplette ZEit abgeschottet zu sein und mit niemanden zu reden.

    Ich denke die ein oder andere trekkingbegeisterte Person kann auf alle Fälle von deinen Erfahrungen profitieren.

    Meinst du es ist empfehlenswert die Etappe andersherum zu laufen, damit man sich mit der „leichteren“ und kühleren Nordetappe an die Strapazen gewöhnt?

    1. Sven

      Eigentlich heißt es ja, dass der GR20 Süd leichter ist als der GR20 Nord. Wenn es nicht so heißt ist dürfte das vermutlich auch hinkommen. Von daher würde ich es wieder genauso machen. Zudem ist der Start im Süden sehr praktisch, da dir die Sonne beim Laufen immer auf den Rücken scheint und nicht ins Gesicht. Ist auch sehr praktisch beim Fotografieren.

      Direkt im Norden zu starten ist vermutlich gut machbar, wenn man einen leichten Rucksack mit ≤ 14 kg trägt. Wenn man allerdings als Selbstverpfleger unterwegs ist, dann ist es ratsam im Süden zu starten, damit man im Norden weniger Gepäck tragen muss. Das erleichtert einem dann etwas die Kletterei.

      Eine interessante Erkenntnis war aber auch, dass die Etappen in Richtung Süd->Nord fast immer zeitlich länger waren als die Etappen Nord->Süd. Vermutlich waren die Anstiege aus der südlichen Richtung einfach anspruchsvoller. Habe ich mir also wieder die schwierige Variante rausgesucht. xD

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