Osu Natsu Matsuri – 1. Tag

Nachdem ich die letzten drei Tage aus bereits genannten Gründen kürzer getreten bin, ging es heute wieder erholt und mit einem sehr vollen Plan zum Osu Natsu Matsuri (zu Deutsch: Osu Sommer Festival). Da es erst 12 Uhr startete, konnte ich heute auch noch einmal richtig ausschlafen und mich in aller Ruhe fertig machen.

Überpünktlich am Festivalgelände angekommen, inspizierte ich die Gegend und versuchte herauszufinden, wo sich die drei unterschiedlichen Veranstaltungsorte befanden. Die zwei Hauptveranstaltungsorte konnte ich ausfindig machen. Wo sich der dritte und weniger genutzte Veranstaltungsort befand, blieb allerdings ein Geheimnis. Wird wahrscheinlich in irgendeiner Seitengasse versteckt gewesen sein. ^^

Da es es neun Stunden lang fast dauerhaft zwei bis drei parallel laufende Veranstaltungen gab, war ich somit auch volle neun Stunden nur auf Achse. Als erstes hörte ich mir zeitweise japanische Gospelsänger sowie die Eröffnungsrede an, die ich aber nicht verstand. Danach trat eine für Japan typische Idolband auf. Das erste Mal, dass ich eine Idolband live sehen durfte. ^^ Und auch hier was es so wie man es aus Anime und YouTube Videos kennt, es war eine Gruppe Otakus am Start, die genau wusste wann welche Rufe und Sprechchöre zu nutzen waren. Nachdem ich mir noch traditionelle Tänze angeguckt hatte, hörte ich mir noch die Taiko Trommler an, da ich von denen immer wieder fasziniert bin. Die Trommeln brauchten die ganze Einkaufsstraße zum Beben. Anschließend genoss ich die Klänge der Gruppe PANSONiDO, welche super Strandurlaubsatmosphäre aufkommen lies. Die krasse Hitze war da, nur das Meer und der Strand hat gefehlt. Anschließend startete die Sambaparade durch die Einkaufsstraßen. Die Polizei hatte ganz schön Mühe die ganzen Lustmolche zurückzuhalten. ^^ Fasziniert hatte mich dann eine sehr talentierte Luftballonkünstlerin, die bewies, dass so etwas durchaus sehr unterhaltsam inszeniert werden kann.

Danach gab es erstmal eine richtige Mahlzeit. Zum Mittag hatte ich nämlich nur eine Art Minimini Dürüm. Somit stand zum Abendbrot eine ordentliche Portion オムライス (Omuraisu – Omelett Reis) auf dem Plan. Diese Speise muss man sowieso mal in Japan essen, da sie in jedem dritten Anime vorkommt. Was ich bei der Wahl meiner Speise nicht wusste, war dass es sich um ein Menü handelte. Das wäre an sich nicht weiter schlimm gewesen, hätte ich es nicht selbst zusammenstellen müssen. So stand der Kellner neben mir und reichte mir die Karte mit den verschiedenen Optionen und wollte sofort Entscheidungen hören. Ich fing also an mir die vier zur Auswahl stehenden Soßen anzugucken. Glücklicherweise waren alle in Katakana geschrieben, so dass ich lesen und verstehen konnte. Die Wahl war daher schnell getroffen. Danach ging es zu den Toppings (Essen was zusätzlich auf die Speise gelegt wird). Hier standen 8 Optionen zur Auswahl, welche aus einem Hiragana, Katakana und Kanji Mischmasch zusammengesetzt waren. Ich hatte somit keine Chance zu verstehen was da steht und meinte auf japanisch zum Kellner, dass ich es nicht lesen kann. Somit las er es mir vor und versuchte es in kurzen Worten zu beschreiben. Glücklicherweise verstand ich die Hauptkomponenten und konnte so mein Wunschtopping auswählen. Einfach zufällig ein Topping zu wählen wäre ja langweilig gewesen. ^^ Wenn ich so auf alle Blogeinträge dieser Reise zurückschaue, habe ich wohl bisher die meisten Herausforderungen in Bezug auf die Nahrungsbeschaffung gehabt. Danach folgt wahrscheinlich auf Platz zwei Bahn fahren.

Gestärkt machte ich mich wieder auf den Weg zur Hauptbühne, da dort die Band nobodyknows+ auftreten sollte. Ich erwartete nichts großartiges und war daher um so mehr von anfänglich basslastigen Technoklängen überrascht. Auf der Bühne stand ein DJ hinter einem Mischpult. Meine Neugierde war sofort gefangen und ich suchte mir einen guten Platz vor der Bühne. Plötzlich sprangen 4 Rapper auf die Bühne und legten knallhart los. Ich war platt, schließlich befand ich mich doch auf einem kulturellem Festival. Während das erste Lied performt wurde, merkte ich dass ich es kenne. Es handelte sich um das Lied „Hero’s Come Back!!“ welches als Opening Song für den sehr bekannten Anime „Naruto Shippuden“ verwendet wurde. Etwas später wurde noch das Lied „Kokoro Odoru“ zum Besten gegeben, welches als Ending Song für den Anime „SD Gundam Force“ verwendet wurde. Den Track erkannte ich sofort, da ich ihn mir bereits unzählige Male im Internet angehört habe. Ich konnte es gar nicht fassen, dass so eine Band auf einem kleinen Sommerfestival spielt. Generell hat die Band einfach den ganzen Laden gerockt, jeder hat am Ende mitgemacht und der Platz war voll wie bei keiner anderen Veranstaltung. Die 45 Minuten Spielzeit wurden durch die Band um weitere 20 Minuten überzogen. Genial! Im Anschluss konnte man noch Merchandise an einem kleinen Zelt erwerben. Die Band war ebenfalls am Zelt anwesend und hat auf Wunsch erworbene Artikel signiert. Diese Möglichkeit lies ich mir natürlich nicht entgehen. Das sahen aber auch viele andere Leute so, so dass sich eine große Menschentraube vor dem Zelt sammelte. Ohne dass etwas gesagt werden musste, bildete sich automatisch eine 2-er Reihe vor dem Zelt, so dass jeder ohne zu drängeln und zu schubsen drankommen konnte. In der Hinsicht muss man Japan einfach lieben. Als ich noch allen Bandmitgliedern die Hand schütteln durfte, sagte ich zum Sänger mit der genialsten Stimme „すごい音楽です。“ was so viel wie „geniale/großartige Musik“ heißt. Der freute sich natürlich riesig, sowas von einem Ausländer zu hören. ^^

Die folgenden Auftritte waren dann nur kurzer Natur und konnten den Auftritt von nobodyknows+ nicht mehr toppen.

Den Abschluss des Tages fand der erste Veranstaltungstag durch den Bon Odori oder zu Deutsch Bon Tanz. Dieser wurde eine Stunde lang abgehalten und jeder der wollte konnte teilnehmen. Diese Möglichkeit lies ich mir natürlich nicht entgehen. Da jeder der 6 (ich glaube es waren ca. 6) Tänze mir seinen Tanzschritten vorher erklärt wurde, hatte ich auch eine Chance ihn einigermaßen vernünftig mittanzen zu können. Getanzt wurde in einem großen Kreis, mit allen anderen um einen kleinen Turm auf welchem zwei Taikotrommlerinnen den Takt angaben. Ich blieb die ganze Zeit nah bei einer älteren japanischen Dame die alle Tänze beherrschte, da ich so immer wieder gucken konnte wie bestimme Tanzschritte zu vollführen waren. Die Dame freute sich, dass ich so ernsthaft am Bon Odori interessiert war und unterstütze mich daher aktiv. Nebenbei lernte ich noch einen jungen Japaner kennen, der so seine Probleme mit den Tänzen hatte. Leider konnte auch er kein Englisch, wodurch unser Gespräch durch meine geringen Japanischekenntnisse recht begrenzt war.

Man ist das heute ein Roman geworden. Hauptsache das liest hier auch jemand. xD
Nun wird es Zeit ins Bett zu gehen, damit ich für den morgigen 2. Tag fit bin.

Weitere Impressionen des Tages

One Comment

  1. mapa

    hallo sven, is ja hammer was du alles so erlebst. deine berichte und bilder sind sehr informativ und interessant und geben einem außenstehenden einen schönen einblick in das japanische leben. so hätte ich mir das garnicht vorgestellt. aber als normalourlauber befaßt man sich ja auch nicht mit japan. schöne tage noch und bleib gesund damit du die restlichen tage noch genießen kannst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.