Tag 12: Refuge de Tighiettu – Refuge Asco Stagnu

Die heutige Etappe sollte mich zur Refuge Asco Stagnu führen, wich aber von meinem Wanderführer ab, da der ursprüngliche Weg durch die „Cirque de Solitude“ aufgrund eines Unglücks seit 2015 gesperrt ist. Durch vorherige Recherchen wusste ich allerdings, dass mich eine Strecke von 8,9 km erwartet für die ca. 7:00 Stunden veranschlagt werden. Einige Leute erzählten mir allerdings, dass sie teilweise 9:00 oder sogar bis zu 11:00 Stunden für die Etappe benötigt hatten. Schon allein diese Zeitangaben ließen nichts Gutes erahnen. Bergauf sollte es 1180 m gehen und bergab 1157 m was verglichen mit den bisherigen Etappen eine der schwierigsten Etappen sein dürfte.

Aufstieg zum Bocca Crucetta

6:20 Uhr klingelte wieder der Wecker und der Tag begann für mich. Irgendwie hatte sich diese Zeit nun durchgesetzt. Nachdem die morgendliche Routine abgeschlossen war, ging es 7:20 Uhr los. Ein Höhenprofil hatte ich für den heutigen Tag nicht vorliegen, von daher wusste ich nicht genau was mich erwarten würde. Zumindest kannte ich die absoluten Höhenangaben, was mir zumindest einen guten Anhaltspunkt hinsichtlich der Kräfteeinteilung gegeben hat.

Schuttareal auf dem Weg zum Bocca Crucetta
Schuttareal auf dem Weg zum Bocca Crucetta

Der erste Teil der Strecke bestand aus einem Anstieg der mehrere hundert Meter auf den Berg geführt haben dürfte. Bevor die Bergspitze erreicht werden konnte musste allerdings ein relativ langer Weg durch ein riesiges Schuttareal zurückgelegt werden. Da das Gestein extrem lose war, hatte ich keinen Halt und rutschte immer wieder ein Stückchen nach unten. Somit machte ich im Endeffekt zwei Schritte nach vorne und einen Schritt zurück. Dementsprechend anstrengend war der Aufstieg. Selbst Flo musste sehr konzentriert und gleichmäßig laufen damit er oben ankommt. Auch eine Pause auf dieser Strecke hätte dafür gesorgt, dass der Aufstieg noch beschwerlicher wird. Von daher quälten wir uns in einem Zug nach oben. Als ich dann die Bocca Crucetta auf 2452 m erreicht hatte, merkte ich, dass mir der Aufstieg ziemlich zugesetzt hatte. Da der Tag noch sehr lang werden sollte kramte ich meine Tüte Mousse au Chocolat heraus. Nachdem ich es angerührt hatte verspeiste ich den puren Zucker in Form des Schokoladenbreis genüsslich. Da ich mir hierbei sehr viel Zeit lassen wollte, schickte ich Flo schon mal voraus.

Besteigung des Monte Cinto

Nach meiner relativ langen Pause setzte bereits der Zuckerschub ein und es ging mit voller Kraft weiter. Erst ging es den Berg wieder etwas herunter und dann musste seitwärts am Berg entlanggeklettert werden. Anschließend musste die nächste Bergspitze wieder im Schutt erklommen werden. Ich erreichte eine Kreuzung, an der sich der eigentliche Weg zur Refuge Asco Stagnu und der Weg zum Monte Cinto gabelten.

Ich entschied mich dazu den Monte Cinto zu besteigen, denn bei diesem Berg handelt es sich um den höchsten Berg Korsikas. Nachdem ich den höchsten Berg Madeiras bestiegen hatte, konnte ich mir diese Trophäe nicht entgehen lassen. Ich klemmte also meinen Rucksack in eine Felsspalte, damit ich diesen nicht unnötigerweise bei der Besteigung mitschleppen musste und dann ging es auch schon los. Da ich nicht wusste was mich erwarten würde, nahm ich meine Trekkingstöcke mit. Dies stellte sich allerdings als Fehler heraus, da nach 15 Minuten der Weg in eine reine Kletterpartie überging. Somit waren die Trekkingstöcke dauerhaft im Weg, da ich beide Hände zum Klettern benötigte. Daher stellte ich die Trekkingstöcke an den Wegesrand, in der Hoffnung, dass ich sie auf dem Rückweg wiederfinden würde. Die nächsten 45 Minuten waren dann ausschließlich von Klettereinlagen geprägt. Dies war einer Bergbesteigung würdig. Und da es keine alternativen touristenfreundlichen Wege zur Bergspitze gab, konnte ich mir sicher sein, dort nur gleichgesinnte Trekker zu treffen.

Auf der Bergspitze des Monte Cinto
Auf der Bergspitze des Monte Cinto

Gegen 11:00 Uhr erreichte ich dann die Bergspitze des Monte Cinto auf 2710 m und es handelte sich tatsächlich um die Spitze. Weiter nach oben ging es nicht. Wirklich erschöpft war ich trotz der sehr vielen Klettereinlagen nicht, denn ohne Rucksack wurde der Weg zum Monte Cinto zu einem gemütlichen Ausflug. Wie erwartet traf ich auf der Bergspitze Flo wieder. Zudem pausierten dort auch 2 Deutsche mit denen ich gestern und vorgestern ein wenig gequatscht hatte. Diese verrückten hatten ein komplettes Mischbrot aus Deutschland mitgeschleppt, um dieses dann in ihrer „Brotzeit“ auf dem Berg essen zu können. Die Deutschen und ihre Brotkultur :D. Ich legte mich dann auf einen großen Stein und genoss die Sonne. Der Ausblick war einfach überwältigend, nur können die Fotos diese Weiten und Höhen nicht einmal ansatzweise widerspiegeln. Nach 30 Minuten machte ich mich dann zusammen mit Flo wieder auf den Rückweg. Meine Trekkingstöcke wiederzufinden war dann doch etwas schwieriger als erwartet, so dass ich mir entgegenkommende Trekker immer wieder gefragt habe, ob sie die Teile irgendwo rumstehen sehen haben. Irgendwann konnte ich meine Schätzchen dann wieder in die Arme oder viel mehr Hände schließen.

Mittagspause!

Kaum war die Sonne hinter den Wolken verschwunden wurde es sehr frisch, so dass Fließjacke und Softshelljacke wieder ausgepackt werden mussten. Da wir beide hungrig waren und uns aufwärmen wollten, entschieden wir uns dazu eine Mittagspause einzulegen. Wirklich weit waren wir noch nicht gekommen, da wir gerade einmal am Ablageplatz meines Rucksacks angekommen waren. Ich kochte mir dann eine Kartoffelsuppe mit Rindfleisch, die mich sehr gut aufwärmte. Das Kochen gestaltete sich allerdings etwas schwieriger, da es sehr windig war. Da hat sich der Windschutz für meinen Campingkocher mal wieder bewährt.

Und weiter zur Refuge Asco Stagnu

Steiler Abstieg zur Refuge Asco Stagnu
Steiler Abstieg zur Refuge Asco Stagnu

Der Abstieg zog sich dann eine halbe Ewigkeit hin. Erst ging es ziemlich lange mehrere Geröllpisten herunter. Teilweise war bei diesem Abstieg kein normales Laufen mehr möglich, da die Abhänge steil und der Schutt zu lose war. Somit surften wir einen Teil des Weges auf kleinen Schuttlawinen herunter. Mir taten da ein wenig die uns entgegenkommenden Leute leid. Flo ging aufs Ganze und sprang förmlich in die Schuttabhänge rein. Ich ließ es allerdings etwas ruhiger angehen da ich mir nicht die Beine brechen wollte. Mal davon abgesehen hatte ich echt Sorge, ob meine Schuhe dieser starken Belastung standhalten können. Natürlich musste ich auch einmal das Tape erneuern, damit mir meine Schuhe nicht auseinanderfliegen. Nachdem wir diesen Teil der Strecke ohne Probleme überstanden hatten folgten wieder viele Klettereinlagen. Diesmal aber nach unten, was die Sache mal wieder etwas erschwerte. Die Berghänge waren teilweise so steil, dass wieder Metallketten in die Felsen geschlagen wurden. Die Nutzung dieser Ketten war allerdings wieder eine Wissenschaft für sich. Der schwere Rucksack, keine Möglichkeit den Weg zu sehen und dann die stark beanspruchte Armmuskulatur wenn man dort hilflos hängt und nicht weiß wohin man treten soll. Da war es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich mir das Knie blutig geschlagen habe. Da der Abstieg ca. 3 Stunden dauerte und die Belastung der Knie durch den anspruchsvollen Abstieg mal wieder enorm war, wurde ich wieder von Knieschmerzen geplagt.

Refuge Asco Stagnu

Gegen 15:30 erreichten wir nach nur 8 Stunden die Refuge Asco Stagnu. Da waren wir deutlich schneller als erwartet. Wenn wir unsere Berggipfel- und Mittagspause abziehen haben wir die Strecke sogar in der vorgegebenen Zeit geschafft.

Da ich mein Abendbrot bereits zum Mittag gekocht hatte, gab es heute eine 300g Prinzenrolle, eine Tüte Chips und eine Fischkonserve zum Abendbrot. Klingt jetzt nicht wirklich nahrhaft aber viel Auswahl gab es im „Supermarkt“ nicht mehr. Da die Nord-Süd-Etappe deutlich kürzer war als die von uns gelaufene Süd-Nord-Etappe, war der Zeltplatz bereits extrem voll. Daher hatten wir Mühe einen Zeltstellplatz zu finden. Am Rande des Zeltplatzes konnte ich dann glücklicherweise noch einen einigermaßen ebenen Platz am Rande eines Weges finden.

Ziegen, überall Ziegen!!!
Ziegen, überall Ziegen!!!

Nachdem mein Zelt stand wollte ich mir nach dem staubigen und wirklich sehr anstrengenden Tag eine Dusche gönnen. Diesmal befand sich die Dusche tatsächlich im Haus, allerdings gab es nur eine Dusche. Ich wunderte mich auf dem Weg zur Dusche bereits warum so viele Leute im Treppenhaus stehen. Bis ich dann merkte, dass die alle für die Dusche anstanden. Das war mir dann zu blöd da mindestens 1 Stunde für die Dusche anzustehen. Somit ließ ich die Dusche ausfallen. Auf dem Weg zum Zelt traf ich die 2 Deutschen (die mit dem Mischbrot) wieder. Während ich mit ihnen quatschte sah ich wie eine Ziegenherde den Berg heruntergetrieben wurde. Und in welche Richtung rannte die Herde?! Genau, in Richtung meines Zeltes, da dieses genau am Wegesrand stand. Ganz ganz dummer Zufall. Mit großer Besorgnis guckte ich mir das Spektakel an und hoffte, dass mein Zelt stehen bleibt. Nach einigen Minuten war die komplette Herde dann durch und mein Zelt stand noch. Es war zwar etwas eingestaubt aber es stand immerhin noch.

Was gibt es noch zu meinen Schuhen zu sagen?! Genau, sie haben heute den ganzen Tag wieder viel Bewunderung geerntet. Es gab sogar eine Person die unbedingt ein Foto von meinen Schuhen machen wollte. Die Rolle Tape nimmt zwar immer mehr ab aber es sollte im Idealfall noch bis zum Ende des GR20 reichen.

Gegen 20:00 Uhr verzog ich mich dann schon in mein Zelt da es einfach wieder zu kalt draußen wurde. Solange die Sonne scheint kann man im Tank Top herumlaufen aber sobald die Sonne verschwindet und eventuell noch etwas Wind hinzukommt wird es echt ekelhaft kalt.

Weitere Impressionen des Tages

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