Comiket und Rundgang in Odaiba

Heute stand der zweite Tag der Comiket an. Da ich heute noch an ein paar Daten des gestrigen Tages gekommen bin, trage ich diese hiermit noch nach. Es waren gestern wohl bereits 210.000 Besucher auf der Messe anwesend. 3.000 von diesen sollen wohl bereits die Nacht vor dem Gelände verbracht haben, um somit an die limitierten Event-Produkte heranzukommen. Was die limitierten Produkte angeht, so konnte ich in Erfahrung bringen, dass diese meist auf 100 bis 200 Stück limitiert sind. In Anbetracht der riesigen Besucheranzahl klingen diese Zahlen schon etwas lächerlich. Weiterhin wurde gestern anscheinend die 40°C Marke gebrochen, was auch das bereits erwähnte Saunagefühl erklärt. Auch heute war es wieder extrem heiß, so dass enorm viele Menschen zusammengebrochen und dehydriert sind oder einen Hitzeschlag erlitten. Die Aufnahmestellen für diese Leute waren randvoll. Sogar im Hotel wurde ich von einer Dame an der Rezeption gewarnt, dass heute der heißeste Tag des Sommers werden soll und ich auf mich aufpassen soll.

Auch am zweiten Tag der Comiket kam ich gegen 11 Uhr an und machte mich sofort auf in die Messehallen der kommerziellen Händler. Schließlich wollte ich sehen, ob ausverkaufte Produkte wieder aufgefüllt wurden. Und sie wurden es in geringem Maße tatsächlich! So wurden beispielsweise die Tapestries meines bevorzugten Zeichners Kantoku wieder aufgefüllt. Komischerweise sah ich kaum jemanden anstehen, weshalb ich erst einmal eine Runde durch die Messehallen drehen wollte. Ich kam an den Stand des Anime Yuyushiki und sah etwas was ich kaufen wollte. Gerade als ich mich anstellen wollte, kam eine ganze Schar Menschen, geführt von einem Comiket Helfer, die sich dann anstellte. Auf einmal verstand ich das komplette System mit den Wartennschlangen. Außerhalb der Messenhallen standen nämlich tausende Menschen in vielen Warteschlangen in der brütenden Hitze. Nun wusste ich auch endlich wozu diese ganzen Warteschlangen gut waren. Da es nicht möglich ist, tausende wartende Menschen in den Messehallen unterzubringen, werden sie in enorm langen Warteschlagen um die Messehalle herum angesammelt. Hat sich nun die kleine Miniwarteschlange vor dem Messestand geleert, werden 20 bis 30 Leute der draußen wartenden 2er-Warteschlange genommen und als Gruppe in das Messegebäude vor den Messestand geführt. Hierzu geht ein Comiket-Helfer mit einem großen Schild voran. Auf dem Schild war die Bezeichnung und die Nummer des Messestandes zu lesen. Abgeschlossen wurde die Gruppe mit einem weiteren Comiket-Helfer der ebenfalls solch ein Schild hochhielt. Weiterhin musste jeder eine Hand hochheben, damit niemand verloren geht. In der Messehalle wurden dann temporär Gänge abgesperrt, damit die Gruppe ungestört zum Messestand vordringen konnte. An sich war es echt krass anzusehen, dass manche Schlangen aus 200 bis 300 Menschen bestanden. Unter Berücksichtigung der limitierten Produkte kann sich jeder ausmalen wie seine Chancen da stehen. Ich suchte also außerhalb der Messehalle meine Schlange und stellte mich dort an. Neben mich stellte sich ein älterer Herr, der schon sehr schwer atmete und anscheinend kurz vorm wegkippen war. Sein Verlangen nach Yuyushiki Produkten war anscheinend größer als die Beachtung seines Gesundheitszustandes. Ich stand dann ca. eine halbe Stunde an, um an mein gewünschtes Produkt zu kommen. Zwischendurch wurde etwas von den Comiket-Helfern gerufen, woraufhin viele die Schlange verließen. Anscheinend war wieder irgendein Produkt ausverkauft. Wie sich später herausstellen sollte, genau das Produkt das auch ich erwerben wollte. Somit hatte sich das auch erledigt. Die Kantoku Tapesties waren in der Zwischenzeit ebenfalls ausverkauft. Wie mir bereits klar wurde, hatte ich sowieso keine reale Chance eines der Tapesties zu bekommen, da vor der Messehalle irgendwo eine lange Warteschlange für diesen Messenstand rumstand. Mit leeren Händen und enttäuscht kehrte ich den Messehallen der kommerziellen Händler den Rücken.

An sich dachte ich, dass die Zirkel an allen Tagen die Gleichen sind. Dem ist aber nicht so. Die 35.000 Zirkel verteilen sich auf alle drei Tage. Somit sind jeden Tag ca ~12.000 Zirkel anwesend und ein Besuch an allen drei Tagen wird quasi zur Pflicht eines jeden Dôjinshi-Sammlers. Mein kurzer Aufenthalt verlängerte sich somit von einer geplanten Stunde auf knapp vier Stunden. Heute war zwar wieder viel Shônen-Ai am Start, jedoch wesentlich weniger als gestern. Dafür war heute der Hentai-Anteil enorm. Man könnte fast sagen ich war auf einer Erotikmesse *höhö*. Einen nicht unerheblichen Teil nahmen heute auch kleine Accessoirestände ein, die Ketten, Anstecker, Buttons, etc. zum Verkauf ausgelegt hatten. Die Gänge waren demnach mit Frauen verstopft. Da gab es kein Durchkommen mehr. ^^ Weiterhin gab es heute noch viele Dôjinshi mit Tieren und einen großen Militärbereich. Auch die DDR Liebhaber waren anwesend und warben mit “DDR Gemeinschaft”, hatten ein DDR Autoschild am Stand aufgehangen, saßen in DDR Militärkleidung da und hatten einiges an Lektüre über die DDR zum Verkauf angeboten. Zu meiner Freude waren heute auch viele Zirkel anwesend, die einen ansprechenden Zeichenstil an den Tag legten und nicht im pornographischen Bereich unterwegs waren. Es wäre mal interessant zu wissen wie die Verteilung der Zirkel morgen aussehen wird. Damit ich auch heute nicht mit leeren Händen ins Hotel zurückkehren musste, habe ich mir wieder einen Dôjinshi im Artbookstyle gekauft.

Nachdem ich genug von der Comiket hatte, machte ich mich auf, um Odaiba zu erkunden. Odaiba ist eine künstliche Insel die in der Bucht von Tôkyô geschaffen wurde. Unter anderem liegt das Tôkyô Big Sight (Veranstaltungsort der Comiket) auf dieser Insel. Daher konnte ich meine Erkundungstour direkt von dort starten. Da unterwegs nichts weltbewegendes passiert ist, lasse ich an dieser Stelle einfach mal die Bilder sprechen.

@Bilder
Damit ihr euch den Wahnsinn mit den Warteschlangen mal vorstellen könnt, habe ich das mal fotografiert. Auf dem dritten Bild sieht man eine(!) Warteschlange, die übrigens nicht komplett auf Foto gepasst hat, für einen Messestand! Auf dem vierten Bild sind ein paar Menschen zu sehen, die in die Messehallen hinein wollen. Das fünfte Foto zeigt wieder Warteschlangen. Diese führen jedoch in die Messehallen für die Dôjinshi. Da es Zirkel gibt die bereits einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben, ist auch hier langes Warten vorprogrammiert. Das sechste und letzte Foto dieser Art zeigt Menschen die auf den nächsten Bus warten. Wie nicht anders zu erwarten fein säuberlich in einer Schlange aufgestellt.

Weitere Impressionen des Tages

7 Comments

  1. D&G aus K

    Die Warteschlangen sind ja echt der Hammer, und trotzdem läuft anscheinend alles vernünftig ab, nicht nur auf dieser Messe.
    Daran sollten sich die „gestressten“ Deutschen mal ein Beispiel nehmen! Sollte mich unsere Erdenbürger stressen bezüglich Warten oder ähnliches, empfehle ich denen glaube ich mal in Japan Urlaub zu machen :-)
    Wir wissen zwar, dass unser Hobby nicht Dein Hobby ist, aber trotzdem haben wir dazu eine Frage: Gibt es im Herstellerland No. 1 für Motorräder auch Bikes auf den Straßen oder beschränkt sich das Ganze auf Autos und Roller?

    1. shion

      Was die Organisation angeht, da sind die Japaner Experten. Bei allen Matsuri oder auch der Comiket waren immer enorm viele Menschen anwesend und die Sicherheitskräfte haben immer für einen sehr strukturierten Ablauf gesorgt. Vor allem tanzt auch niemand aus der Reihe und denkt er müsse als etwas besseres behandelt werden.

      Was die Bikes angeht, habe ich heute mal etwas stärker darauf geachtet. Roller sind ziemlich viele unterwegs aber das ist bei dem Platzmangel und den horrenden Parkplatzpreisen auch kein Wunder. Ansonsten hält sich die Verbreitung von Motorrädern in Grenzen. Es sind einige Naked Bikes und Chopper im Straßenverkehr unterwegs. Außerhalb der großen Städte sieht man auch mal kleinere Bikergangs die mit Chopper unterwegs sind. Richtige Superbikes sieht man an sich fast gar nicht. Ansonsten ist Honda sehr stark vertreten und dann sieht man noch recht häufig Suzuki, Yamaha und Kawasaki. Eine BMW und eine Ducati kam mir aber auch unter die Augen. Dafür das Japan so viele Motorräder produziert, sind aber ziemlich wenig auf den Straßen unterwegs. Wahrscheinlich kaufen die meisten Leute einfach einen Roller.

    1. shion

      Der Gedanke kam mir auch auf Anhieb und ich dachte sofort an meine Badehose die im Hotel lag. Da ich aber während meines Rundganges das total verdreckte und widerliche aussehende Wasser in der nicht weit entfernten Werft gesehen hatte, wäre ich nicht einmal für Geld in das Wasser gestiegen. ^^ Somit verwarf ich den Gedanken mit dem Baden gehen wenige Sekunden später wieder.

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