Tag 8 (2/2): Klippenpfad + PR8 „Vereda da Ponta de São Lourenço“

Die Suche nach dem richtigen Weg

[…] Da mir nicht klar war, welcher der Wege zu meinem Ziel führte, nahm ich den für mich plausibelsten. Nach gut 50 Metern musste ich allerdings umkehren, da der Weg komplett zugewachsen war. Zudem führte der Weg anscheinend runter zum Meer und da wollte ich ja nun nicht hin. Beim zweiten möglichen Weg handelte es sich um einen normalen Wanderweg der in den Süden zum Ort Machico führte. Also auch nicht richtig. Ich versuchte es somit nochmal mit dem zugewachsenen Weg, kam aber wieder zu dem Schluss, dass es definitiv nicht der richtige Weg ist. Rätselnd stand ich dann auf der Kreuzung. Ein vorbeikommendes Rentnerpärchen lies mich dann einen Blick auf ihr Kartenmaterial werfen. Allerdings war mein gesuchter Weg auf ihrer Karte nicht einmal eingezeichnet. Die Oma schenkte mir dann noch 2 Bonbons und dann zogen die beiden weiter. Ich suchte anschließend das Gebüsch in der nähere Umgebung ab, da irgendwo noch ein Weg sein musste. Und siehe da, ich bin tatsächlich fündig geworden. Der Anfang des Weges war dermaßen stark zugewachsen, dass man ihn nicht mehr gesehen hat. Ich ahnte bereits, dass die nächsten Kilometer wieder das reinste Abenteuer werden würden. Und Menschen würde ich mit Sicherheit auch keine mehr treffen. Die Leute auf der Kreuzung schauten mir verwundert hinterher, als ich dann im Gebüsch verschwand. xD

Blick vom Klippenpfad auf das Meer
Blick vom Klippenpfad auf das Meer

Zugewucherte Trampelpfade

Wie bereits erwartet war der Weg tatsächlich sehr anspruchsvoll. Auf dem Boden konnte man meist einen kleinen eingetreten Pfad erkennen, der allerdings häufig von Pflanzen verdeckt wurde. Insgesamt war fast der komplette Weg zugewuchert. Die Pflanzen hatten meist eine Höhe von 1-2 Metern. An dieser Stelle hätte ich mir mal wieder eine Machete gewünscht. Da ich keine am Start hatte musste ich die Pflanzen wieder wegknicken oder zur Seite drücken. Was noch nerviger als dieses ganze hohe Gestrüpp war, waren die vielen Dornenpflanzen. Ständig verankerten sich Dornenranken in meiner Kleidung oder schlimmer noch im Rucksack, so dass ich hilflos im Dornengestrüpp hing und nicht mehr vor und zurück kam. Meine Hose wehrte die Dornen gut ab allerdings erwischte mich dann eine Dorne am Handrücken. First Blood. Aber gut, ein Abenteuer ohne Blut wäre ja kein richtiges Abenteuer. Ich habe einen Teil des Weges mal gefilmt. Auch wenn es etwas wackelig ist, so bekommt man trotzdem einen guten Eindruck.

Erbarmungslose Sonne

Anstrengung auf dem Klippenpfad
Anstrengung auf dem Klippenpfad

Obwohl das Gestrüpp allgegenwärtig war fehlte es an Bäumen. Da ich auf der Sonnenseite des Berges lief war ich somit der prallen Sonne ausgesetzt und konnte kein einziges Mal im Schatten pausieren. Das zehrte wieder einmal an meiner Kraft. Diesmal war ich zwar mit Sonnencreme geschützt aber durch die Hitze schwitzte ich tierisch und musste die Sonnencreme daher alle 30 Minuten wieder neu auftragen. Unterwegs fasste ich mir an den Hals und wunderte mich warum mein Finger nass war. Nachdem mein Finger nach einem erneuten Griff an den Hals wieder nass war machte ich dann mal ein Foto von meinem Hals um zu sehen was da los ist. Es stellte sich heraus, dass sich viele Wasserblasen gebildet hatten. Anscheinend handelte es sich um Brandblasen, die durch den Sonnenbrand kamen. Auch meine Nase schlug mittlerweile große Beulen. Nachdem ich den Weg überstanden hatte, war ich schon ziemlich fertig mit der Welt. Meine Selfies wurden immer unansehnlicher. xD

Nachdem ich eine Kreuzung passiert hatte, besserte sich der Weg nach einer Klettereinlage deutlich. Ich befand mich nun wieder auf einem etwas gepflegteren Weg. Ein mir entgegenkommendes deutsches Pärchen bestätigte meine Feststellung auch noch einmal. Glücklicherweise waren diese beiden Personen die einzigen denen ich an diesem Tag auf der Strecke begegnen sollte. Im Nachhinein konnte ich feststellen, dass es sich bei dem Pärchen ebenfalls um Cacher gehandelt hat. Anhand der beiden konnte ich nun auch einmal Fotos machen, auf denen man ein Gefühl für die Größe der Landschaft bekommt. So sieht man auf einem der Fotos eindrucksvoll eine der einfacheren Kletterpassagen. Zudem habe ich auch kurz über die Berge gefilmt, damit man ein besseres Gefühl für die Größe bekommt.

Die Hafenstadt Caniçal

Nachdem ich dem Pfad weiter gefolgt war, passierte ich den Berg Pico das Roçadas. Da ich weiterhin an der Klippe unterwegs war, hatte ich immer noch einen atemberaubenden Ausblick. Am Ende des Weges lag dann der mit 3921 Einwohnern besiedelte Ort Caniçal. Ich versuchte dort kurzfristig etwas Essbares aufzutreiben, war aber leider erfolglos. Vor mir lag dann ein ganzes Stückchen Straße damit ich ausgehend von Caniçal die Halbinsel Ponta de São Lourenço erreichen konnte. Nachdem ich von einem Wachtmeister darauf hingewiesen wurde, dass ich ein Industriegebiet betreten möchte und dies verboten sei, korrigierte ich meine Route ein wenig und lief ein Stückchen auf der Straße weiter. An dieser Stelle war es wieder so weit. Ich hatte genug vom Wandern und hätte am liebsten alles hingeschmissen. Blöderweise lagen vor mir noch rund 7 km und so kurz vor dem Ziel würde ich nicht aufgeben. Das schrie förmlich nach Quälerei.

Halbinsel Ponta de São Lourenço

Ab dem Anfang der Halbinsel Ponta de São Lourenço veränderte sich die Vegetation drastisch. Oder besser gesagt, es gab fast gar keine Vegetation mehr. Das vor mir liegende Gebiet war vulkanischen Ursprungs und Bestand aus Basalt und Gestein, das teilweise dermaßen porös war, dass man es mit der Hand zerdrücken konnte. Der sandige Boden sorgte dafür, dass man nicht mehr von der Stelle kam. Es fühlte sich an als ob man im Wüstensand wandern würde. Die blumenähnlichen Pflanzen die ich zu Gesicht bekam sahen sehr interessant aus und erinnerten mich viel mehr an Unterwasserpflanzen als an normale Landpflanzen. Vermutlich einer der Gründe warum die Halbinsel zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Blumenvielfalt auf Ponta de São Lourenço
Blumenvielfalt auf Ponta de São Lourenço

Während ich zielstrebig zum Ende der Halbinsel wanderte kamen mir unzählige Touristen entgegen. Am Ende der Straße lag nämlich ein Parkplatz, von dem aus der PR8 „Vereda da Ponta de São Lourenço“ startete. Den Parkplatz bekam ich allerdings nicht zu Gesicht, da ich einen Umweg durch die Landschaft nahm. 19:30 Uhr erreichte ich nach 10 Stunden (inkl. cachen) dann endlich mein Ziel. Ich hatte es tatsächlich geschafft. Die Überquerung der kompletten Insel von West nach Ost. Ich setzte mich auf eine der Bänke und musste das erstmal auf mich wirken lassen. Ein Glücksgefühl breitete sich in mir aus.

Und auf einmal war da dieser Wassermangel..

Ein Problem stellte sich mir aber noch. Aufgrund des massiven Flüssigkeitsverlustes musste ich heute mehr trinken als eingeplant. Somit hatte ich von 3 Litern Wasser bereits 2 Liter verbraucht, was angesichts der Anstrengungen trotzdem viel zu wenig war. Laut meinen Unterlagen gab es auf der Halbinsel kein Wasser. Dies bedeutete, dass ich zum Kochen, zum Trinken und für den 8 km langen Rückweg am morgigen Tag nur 1 Liter Wasser zur Verfügung hatte. Sicherlich machbar aber nicht schön. Ich fragte sicherheitshalber ein paar Touristen, ob es am Forsthaus am Ende des Feldes eine Wasserversorgung gibt. Dies konnte mir leider keiner beantworten. Einer der Touristen lies mich dann aber einen Schluck aus seiner Wasserflasche nehmen und schenkte mir die Flasche dann gänzlich. Mein Wasserproblem entspannte sich somit. Allerdings war mir das schon ziemlich unangenehm aber falscher Stolz wäre an dieser Stelle total unangemessen gewesen. Ich suchte dann trotzdem noch das Forsthaus auf, um festzustellen, dass es mal eine Wasserversorgung gegeben hat, die aber stillgelegt wurde. Statt einer doppelten Portion zum Abendbrot kochte ich mir dann nur eine einfache Portion, da ich auf diese weise 400 ml Wasser sparen konnte. Im Endeffekt hat die einfache Portion auch voll und ganz gereicht.

Ponta de São Lourenço
Ponta de São Lourenço

Ein traumhaft sommerlicher Abend

Das Wetter war grandios. Es war nicht windig und von der Temperatur her fühlte es sich wie ein lauer Sommerabend an. Ich setzte mich daher auf eine der am Meer stehenden Bänke und genoss den Sonnenuntergang. Mittlerweile war ich allein auf der Halbinsel Ponta de São Lourenço. Das Lichtermeer der am anderen Ufer sichtbaren Stadt wurde immer größer und funkelte wunderschön. Dazu gesellte sich dann ein klarer Sternenhimmel, der tausende von sonst nicht sichtbaren Sternen zeigte. Im Hintergrund hörte ich das Rauschen der Wellen, das von hunderten zirpenden Grillen begleitet wurde. Etwas Schwermut machte sich breit, da meine Reise nun fast ihr Ende gefunden hatte.

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