Tag 5 (2/2): PR1.2 „Vereda do Pico Ruivo“ + Zufallsweg

Auf dem höchsten Berg Madeiras – Pico Ruivo

[…] Nach 5,5 Stunden erreichte ich total erschöpft den Gipfel vom Pico Ruivo. Insbesondere der letzte Kilometer war mit einem brutalen Anstieg und vielen Treppenstufen besonders kräftezehrend. Ein Glücksgefühl machte sich breit als ich auf der Aussichtsplattform stand aber leider hatte ich schon wieder den Abstiegt im Hinterkopf. Irgendwie ist man doch immer wieder am Kalkulieren wie erschöpft man ist, wie viele Kilometer man noch schaffen kann und ob es zeitlich alles passen wird.

Nichtsdestotrotz genoss ich den hammermäßigen Ausblick vom höchsten Punkt Madeiras. Komplett wolkenlos war es nicht, was ich aber echt super fand. Ich finde es einfach faszinierend, wenn Wolken auf derselben Höhe wie man selbst unterwegs sind oder man sogar durch Wolken hindurchlaufen kann. An dieser Stelle lasse ich einfach mal die Fotos für sich sprechen.

Auf dem Gipfel Pico Ruivo
Auf dem Gipfel Pico Ruivo

Nachdem ich auf dem ganzen Weg nur eine Handvoll Menschen getroffen hatte, war ich total überrascht, dass auf dem Pico Ruivo mindestens 18 Leute oder sogar noch mehr unterwegs waren. Die sahen alle total normal aus und waren komplett ohne Ausrüstung unterwegs. Einer war sogar mit einem Kleinkind auf dem Gipfel. Da dachte ich mir nur, ob der nicht mehr ganz bei Verstand ist. So wirklich konnte ich mir das zu diesem Zeitpunkt nicht erklären. Ich stieg also wieder vom Gipfel herab und pausierte noch einmal 300 Meter weiter am Forsthaus. Ich stellte fest, dass ich mir einen mordsmäßigen Sonnenbrand zugezogen hatte. Eigentlich war ich der Meinung, dass bei bewölktem Himmel und 19°C nichts passieren kann, schließlich verwende ich in Deutschland auch keine Sonnencreme, wenn solch ein Wetter herrscht. Tja, falsch gedacht. Da ich der Sonne stundenlang ausgesetzt war und zudem die Höhe noch für eine intensivere Sonneneinstrahlung gesorgt hat, habe ich mich derbst verbrannt. Das komplette Ausmaß sollte sich dann erst später zeigen.

PR1.2 „Vereda do Pico Ruivo“

Eigentlich hatte ich geplant bergab den PR9 „Levada do Caldeirão Verde“ zu laufen. Um diesen zu erreichen hätte man allerdings wieder einen mehrere Kilometer langen eher unbekannten Weg laufen müssen. Da es sich um einen Abstieg mit mehreren hundert Höhenmetern handelte, wollte ich mein Glück nicht noch einmal herausfordern. Es klang einfach zu stark nach Selbstmord. Zudem fand ich auf Anhieb nicht mal den Anfang des Weges, was ohnehin schon ein sehr schlechtes Zeichen war. Von daher schlug ich am Gipfel einen offiziellen Weg ein. Ich wanderte also den PR1.2 „Vereda do Pico Ruivo“ entlang und währenddessen wurde mir auch klar wie es die vielen normalen Menschen auf den Berg geschafft hatten. Der 2,2 km lange Weg war komplett mit Steinen gepflastert. Da hätte man nicht einmal umknicken können, maximal mutwillig an einer Stufe. Bergauf ist die Stecke mit 1,5 Stunden Laufzeit angegeben. Hinunter habe ich lediglich 35 Minuten benötigt. Am Ende der Strecke befand sich ein großer Parkplatz, der gut mit Autos gefüllt war. Der ein oder andere Blick blieb an mir hängen. Vermutlich war man etwas verwundert was ich eigentlich vor habe.

Unterwegs auf zufälligen Trampelpfaden

Zufallsweg in der Wildnis
Zufallsweg in der Wildnis

Vom Parkplatz aus bis zu meinem Zielort des heutigen Tages gab es keinen offiziellen Wanderweg mehr. Somit pausierte ich am Parkplatz und suchten in meinem Kartenmaterial nach einer geeigneten Strecke. Kurze Zeit später hatte ich dann einen ca. 4,5 km langen Weg, der 650 Höhenmeter nach unten führte. Der Anfang der Strecke war einfach traumhaft und war wirklich einfach. Aber dann wurde es wieder abartig. Überall Bäume und Äste, kleinere Klettereinlagen aber am schlimmsten war der glatte Boden. Man hatte das Gefühl man würde auf einer vereisten Straße laufen. Zeitweise stand ich einfach nur noch da und wusste nicht mehr wohin ich noch treten kann ohne direkt zu stürzen. Wäre der Weg eben gewesen, hätte es kein Problem gegeben. Aber die 650 Höhenmeter Gefälle brachten etwas Würze in das Unterfangen. Ich entschied mich dann dazu den eigentlichen Weg zu meiden und in den Pflanzen zu laufen. Das war nicht wirklich angenehm aber dafür hatte ich grandiosen Grip. Etwas später wurde die Strecke dann wieder waldiger und der Weg glich einem von Forstautos befahrenen Waldweg. Somit konnte ich den letzten Streckenabschnitt entspannt zurücklegen und den Weg und die frische, blumig duftende Waldluft genießen. Da der Waldboden und alle Pflanzen durch den Regen nass waren, war der Geruch noch intensiver. Es hat einfach Spaß gemacht immer tief durch die Nase einzuatmen.

Zufallsweg in der Wildnis
Zufallsweg in der Wildnis

Ankunft am Picos das Pedras

Nach insgesamt 19,5 km und 8,5 Stunden erreichte ich dann mein Ziel Picos das Pedras. Ich lief dann nochmal einen Umweg, da in der Nähe ein Café existieren sollte aber diese Information stellte sich dann als falsch heraus. Ich begann also mit der üblichen Abendroutine. Zelt aufbauen, Essen zubereiten, Essen, Zähne putzen, Notizen zum heutigen Tag machen und noch ein bisschen lesen. Ich kann nur hoffen, dass es kommende Nacht nicht regnet und ich etwas mehr Schlaf bekomme als in den letzten Zeltnächten.

Weitere Impressionen des Tages

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