Tag 2 (1/2): PR15 „Vereda da Ribeira da Janela“

Eine Busfahrt die ist lustig eine.. auf nach Porto Moniz!

Mein Wecker war für 7:30 Uhr gestellt, allerdings wachte ich dank meines Biorhythmus schon eine halbe Stunde eher auf. Nach meiner Ankunft auf Madeira musste ich meine Uhr nämlich eine Stunde zurückstellen. Nachdem ich mich beim Frühstück gestärkt hatte, sammelte ich meine Ausrüstung im Hotelzimmer zusammen, checkte aus und machte mich auf den Weg zum Rodoeste Fahrkartenschalter. Der Bus sollte 10:05 Uhr vor dem Fahrkartenschalter abfahren und 3:15 Stunden für die Fahrt von Funchal nach Porto Moniz benötigen. Das Ticket für diese lange Fahrt hat gerade einmal 6,00 € gekostet. Da war ich echt überrascht. Beim Bus handelte es sich um einen normalen Linienbus, der ohne Toilette daherkam. Glücklicherweise wurde jede Stunde eine kurze Pause gemacht. Da es sich um einen normalen Linienbus handelte, wurde dieser vorwiegend von Einheimischen verwendet. Die Busfahrt dauerte dann doch 25 Minuten länger als geplant, so dass ich gegen 13:45 Uhr in Porto Moniz ankam. Mir taten unterwegs ein wenig die armen Einheimischen leid, die vermutlich regelmäßig bis zu 25 Minuten auf den verspäteten Bus warten müssen. Da sind 5 Minuten Verspätung in Berlin ja doch noch ganz annehmbar.

Kurzaufenthalt in Porto Moniz

Porto Moniz liegt im Nordwesten von Madeira und ist mit 1700 Einwohnern einer der größeren Orte. Bekannt und beliebt ist der Ort Porto Moniz durch seine natürlich entstandenen Badebassins im Vulkangestein. Bei nicht zu starkem Wellengang und angenehmen Außentemperaturen ist also auch eine Badesession möglich. Ich hatte zwar meine Badehose mit aber mein Zeitplan war viel zu straff. Nach meiner Berechnung standen noch 6,5 Stunden Laufzeit an. Da bereits fast 14:00 Uhr war, würde dies eine Ankunftszeit von 20:30 Uhr bedeuten. Das mag jetzt nicht schlimm klingen, allerdings wird es ab 19:00 Uhr schon dunkel auf Madeira und ab 20:00 Uhr ist es stockdunkel. Und zu dieser Zeit noch unterwegs zu sein ist halber Selbstmord. Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit. Wie konnte ich so einen Mist planen?! Na gut, da musste ich jetzt durch. Notfalls würde ich halt mein Zelt irgendwo aufschlagen müssen. Der Gedanke, überall nächtigen zu können, wirkte dann doch wieder etwas beruhigend.

Wie komme ich eigentlich zum Startpunkt von PR15 „Vereda da Ribeira da Janela“?!

Mein nächster Stopp sollte der ca. 290 Einwohner starke Nachbarort Ribeira da Janela sein. Allerdings zeigte mir meine Karte als einzigen Weg nur eine Straße an. Einen Moment später fiel mir ein Tourist Information Center auf, welches ich direkt ansteuerte um mir diesbezüglich etwas Klarheit zu verschaffen. Wie bereits vermutet, handelte es sich bei der Straße um eine Art Bundesstraße, die zudem durch einen Tunnel führte. Das Passieren der Strecke für Fußgänger sei strengstens verboten. Nicht weiter verwunderlich. Somit blieb mir nur die Option die 4 km Straße und Tunnel mit einem Taxi zu überspringen. Dies hatte natürlich auch einen positiven Aspekt, da ich somit auf einmal viel Zeit gewonnen hatte. Somit gönnte ich mir im nebenan gelegenen Restaurant erstmal mit Speck ummanteltes Hühnchenfleisch. Gestärkt suchte ich dann ein Taxi auf. Da es sich um einen Touristen-Hot-Spot handelte standen zum Glück 3 Taxis zur Auswahl. Während der Fahrt wollte mich der Taxifahrer gleich für weitere Fahrten werben. Zum Beispiel falls es regnen sollte, oder so. Ich erwiderte nur, dass ich mich melden würde, wenn ich mir ein Bein brechen sollte und fotografierte währenddessen seine Telefonnummer. Absetzen lies ich mich dann am Startpunkt der Wanderroute PR15. Beim Abfahren rief mir der Taxifahrer nochmal lächelnd zu, ich solle mich melden – aber nur mit guten Nachrichten. Er möchte nichts von einem Unglück wissen.

PR15 "Ribeira da Janela"
PR15 „Ribeira da Janela“

Ich dachte der PR15 „Vereda da Ribeira da Janela“ sei ein Rentnerwanderweg?!

Beim PR15 stellte ich mir einen breiten, gut begehbaren Wanderweg vor. Umso mehr war ich überrascht, als ich diesen kleinen, zugewachsenen Seitenweg an der Straße sah. Hätte mein GPS nicht gesagt, dass das der richtige Ort ist, hätte ich erstmal gedacht, der Taxifahrer will mich verarschen. Die auf meiner Karte eingezeichnete Tourist Information entpuppte sich zudem als ein einfaches Schild. Schon interessant wie stark die Erwartungshaltung von der Realität abweichen kann. 14:50 Uhr konnte ich dann also endlich starten und loslaufen. Der PR15 mit dem Beinamen Vereda da Ribeira da Janela, wurde damals von den Einheimischen für den Transport von Holz aus dem riesigen Wald genutzt. Die Strecke wies eine Länge von 2,7 km auf und war vom Schwierigkeitsgrad her als mittel eingestuft. Das mag vielleicht bei trockenem Wetter und dem eigentlichen Verlauf der Strecke von Ost nach West gelten. Ich hingegen lief ich die Strecke von West nach Ost, so dass es die 2,7 km permanent bergauf ging. Genau genommen 400 Höhenmeter. Das an sich war bereits ein äußerst anstrengender Auftakt. Hinzu kam, dass es die letzten Tage geregnet hatte sowie auch heute. Daher standen die Wege teilweise unter Wasser, der Boden war so stark aufgeweicht und matschig, dass man tief versunken ist und die Steine und Holzbalken waren dermaßen rutschig, dass jeder Schritt eine gewisse Gefahr aufwies. Besonders gefährlich war der glatte nasse Lehmboden, der wie Schmierseife war. Da gab es kein Halten mehr. Unter diesen Aspekten hätte ich die Strecke eher als schwierig eingestuft. Da hätte mit Sicherheit kein Rentner überlebt.

Unterwegs auf dem PR15 "Vereda da Ribeira da Janela"
Unterwegs auf dem PR15 „Vereda da Ribeira da Janela“

Die Spuren im Boden verrieten mir, dass heute noch niemand den Weg gelaufen ist. Es sah eher so aus, als ob die letzten Wanderer vor 1-2 Tagen die Strecke passiert hätten. Am Anfang der Strecke war ich dermaßen schnell außer Atem, da ich einfach noch nicht das richtige Tempo gefunden hatte. Ich fühlte mich wie ein 60-jähriger, übergewichtiger Kettenraucher und rang nach Luft. Man tendiert einfach dazu viel zu schnell zu laufen. Es hat allerdings nicht lange gedauert bis ich mein Tempo gefunden hatte und die Tour somit wesentlich angenehmer wurde. Auch die Zwangsunterbrechungen durch Bäche, matschige Wege und halbe Sümpfe die überwunden werden mussten, um nicht knietief im extrem weichen Boden oder im Wasser zu stehen. Teilweise musste man doch ein wenig innehalten und genau prüfen welche Wege es gibt um ans Ziel zu kommen. Irgendwie hatte es einen gewissen RPG Charakter. Meine Muskeln schrien auch schon nach kurzer Zeit und ließen mich wissen, dass ein toller Muskelkater auf mich warten würde. Dies lag primär am recht schweren Rucksack. Mit Gaskartusche und gefüllten Wasserflaschen wies der Rucksack jetzt ein Gewicht von 16,5 kg auf. Dies war gefühlt schon echt grenzwertig. Nepal war dagegen doch schon etwas entspannter. Die recht anspruchsvolle Strecke wurde dadurch natürlich nicht gerade einfacher.

Levadas – Die Lebenslinien der Insel

Auf dem Weg stieß ich auch auf die ersten Levadas. Bei diesen handelt es sich um künstlich angelegte Wasserläufe, die Wasser aus den niederschlagsreichen nördlichen Gebieten in die im Süden gelegenen landwirtschaftlichen Anbaugebiete leiten. Gebaut wurden die ersten Levadas im 15. Jahrhundert. Die Gesamtlänge aller Levadas soll wohl zwischen 800 und 5000 km liegen. Somit durchziehen sie die komplette Insel und stellen quasi die Lebenslinien dar. Auch heute werden die Levadas noch aktiv zur Bewässerung von Feldern genutzt. Daher erfolgt auch weiterhin eine entsprechende Wartung. Genau für diesen Zweck existieren seit Anbeginn der Levadas kleine Wege neben diesen, die heute teilweise als Wanderwege genutzt werden. Schließlich führen die Levadas einmal quer durch die tiefste Natur. […]

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