Tag 6: Auf nach Faial oder doch besser nach Porto da Cruz?!

Zelten mit Sonnenbrand

7:50 Uhr öffnete ich mein Zelt und begann den Tag bei tollem Sonnenschein. In der Nacht gab es zwar keinen Sturm oder Regen, jedoch war die Nacht trotzdem nicht so erholsam wie erhofft. Bei jeder Bewegung schmerzte der Sonnenbrand was äußerst unangenehm war. Mittlerweile war die Haut auch ordentlich angeschwollen. Sogar meine Ohren waren deutlich angeschwollen, so dass sie gefühlt riesig wirkten. Zudem standen sie aufgrund der Schwellung unterschiedlich weit vom Kopf ab. Ich sah echt geschändet aus. xD

Umplanung der Tagesetappe

Ich packte dann meine Ausrüstung zusammen, ließ das Zelt noch eine halbe Stunde im Sonnenschein trocknen und genoss währenddessen den wohlig riechenden Blumenduft. Wie bereits vorgestern angekündigt, begann ich damit die Route für den heutigen Tag umzuplanen. Eigentlich hätte heute eine 31 km Etappe angestanden aber dass das nicht machbar ist, dürfte mittlerweile jeder nachvollziehen können. Meine eigentliche Route führte vom Westen, einmal komplett über die Insel, in den Osten. Danach waren eigentlich noch Etappen vom östlichen Inselzipfel in den Südwesten zum Ausgangsort Funchal angedacht. Diese Etappen strich ich um Zeit zu gewinnen und den restlichen Etappenplan zum Erreichen des östlichen Inselzipfels etwas entzerren zu können. Da die gestrichenen Etappen nur durch unspektakuläres Gelände (spärlich besiedelte und mit Straßen durchzogene Gegenden) führten, hatte mein Ehrgeiz auch kein Problem mit den Streichungen. Mein Ziel der West-Ost Überquerung stand weiterhin. Meine heutige Etappe kürzte ich also auf 7 km, so dass ich den Ort Faial erreichen würde. Wie genau es dann weiter gehen würde, wollte ich dann vor Ort entscheiden.

Wieder unterwegs auf inoffiziellen Wegen

Die 7 km setzten sich aus mehreren unbekannten Wegen zusammen. Ich stellte mich somit auf erhebliche Schwierigkeiten ein, da 870 Höhenmeter Abstieg vor mir lagen. Überraschenderweise konnte ich die ersten Kilometer auf einem super begehbaren Waldweg laufen. Das war die reinste Entspannung. Unterwegs entdeckte ich dann wieder verlassene, verfallene Gebäude die wieder im Detail untersucht werden mussten :D. Im Wald stieß ich auch immer wieder auf diese knuffigen Baumblüten, die im folgenden Bild zu sehen sind. Erst knubbelig und dann flauschig. Ich bemerkte auch, dass es genau diese Blüten waren, die für den tollen blumigen Geruch sorgten, der mich die letzten Tage von früh bis abends umgab. Weiß jemand zufällig um was für Bäume es sich hierbei handelt?

Flauschige Baumblüten
Flauschige Baumblüten

Danach stieß ich seit Beginn meiner Reise das erste Mal auf Zivilisation. Die ersten Gebäude tauchten auf und somit auch die ersten Felder, die von den Bauern fleißig bewirtschaftet wurden. Die Wege die zu den Feldern hinabführten waren dermaßen steil, dass sogar bei normalen Wetterverhältnissen der Abstieg etwas anstrengend war und viel Konzentration erforderte. Da bewundere ich echt die Bauern, die diesen Weg regelmäßig nutzen. Nachdem ich die Felder passiert hatte und Früchte zu Gesicht bekam die ich nicht einordnen konnte, ging es weiter mit einem schmalen, kaum sichtbaren und steil nach unten führenden Weg. Nun erwartete mich genau das, was ich am Morgen bereits geahnt hatte. Diesmal gab es allerdings keine Kämpfe gegen Pflanzen oder Kletterpassagen. Nur der steile Abstieg war etwas anspruchsvoller, da der Boden von Geäst und Laub verdeckt wurde. Während ich abstieg ballerte die Sonne wieder unermüdlich. Obwohl ich überwiegend im Schatten der Bäume unterwegs war, machte mir die Hitze doch ein bisschen zu schaffen.

Auf dem Weg nach Faial
Auf dem Weg nach Faial

Das Örtchen Faial

Letztendlich erreichte ich dann eine Straße, der ich bis in den Ort Faial folgte. Wirklich wohl war mir nicht dabei auf der Straße zu laufen. Da aber nur alle 10 Minuten mal ein Auto vorbei kam, konnte ich dann doch recht entspannt laufen. Mein Navi wollte mich eigentlich in das neben der Straße liegende Tal runter- und auf der anderen Seite wieder hochjagen. Da ich bezweifelte, dass der Weg dort wirklich vernünftig begehbar ist und ich auch nicht mehr wirklich Kraft aufwenden wollte, nahm ich die etwas längere Straße in Kauf. Nach 2,5 Stunden erreichte ich dann Faial. Als erstes steuerte ich ein Restaurant an und kam währenddessen an einer sehr kleinen, modernen Grundschule vorbei. Die Kinder wurden in der Mittagshitze auf dem Sportplatz gequält. ^^

Im Restaurant war ich dann der einzige Gast. Ich bestellte mir ein Filetsteak, einen Orangensaft und das auf Madeira traditionelle Knoblauchbrot. Das war dermaßen lecker, da hätte ich mich reinlegen können. Während ich mein Vienetta-Eis zum Nachtisch verspeiste, kam ich noch mit einem älteren dänischen Pärchen ins Gespräch. Die beiden machten einen Roadtrip und hatten diverse Unterkünfte in unterschiedlichen Orten per Airbnb gebucht. Da war ich ja begeistert, dass die so vom Mainstream abweichen. Da sich die beiden für die Europapolitik interessierten kam natürlich auch die Frage, ob ich denn Merkel wählen würde. xD

Ich muss dringend etwas gegen den Sonnenbrand tun

Meine Karten-App verriet mir, dass es in dem Ort auch eine Apotheke gibt. Also nichts wie hin da und erstmal mit irgendwas eindecken, um den Sonnenbrand etwas in den Griff zu bekommen und weiteren Sonnenbrand vorzubeugen. Mit 31,00 € war der Einkauf zwar recht teuer aber solange es hilft war es mir egal. Glücklich verließ ich die Apotheke und überlegte wie meine restliche Tagesplanung aussehen sollte. Mein erster Gedanke war, mir in Faial ein Hotel zu suchen und eine Nacht dort zu bleiben. Allerdings gab es nur ein einziges Hotel, das genau neben einer Go-Kart-Bahn lag. Das klang nicht so überzeugend.

Auf nach Porto da Cruz?!

Da ich spätestens morgen in den Nachbarort Porto da Cruz gemusst hätte, entschied ich mich dazu den Weg bereits heute hinter mich zu bringen. Die 6 km lange Strecke war allerdings eine Art Autobahn inkl. Tunnel, so dass wieder Taxi fahren angesagt war. Da ich nicht wusste wo sich in Faial der Taxistand befindet, suchte ich nochmal die nette Apothekerin auf und fragte sie. Danach machte ich mich auf den Weg zum nur 200-300 Meter entfernten Taxistand. Da aktuell kein Taxi verfügbar war, hieß es warten. Dummerweise wartete ich dann eine ganze Stunde aber ich hatte ja Zeit und chillte etwas im Schatten. Als dann eine Taxifahrerin vorbeikam und mich einsammelte, war ich etwas verwundert, dass hinten schon jemand drin saß. Im Nachhinein glaube ich, dass es ihre Mutter war und die beiden auf dem Weg nach Hause waren. Aber da ich dann ein Taxi benötigte ließ sie sich das Geschäft natürlich nicht entgehen. Gefahren wurde daher auch ohne Taxameter. Naja, mir sollte es egal sein.

Porto da Cruz
Porto da Cruz

Hotelsuche in Porto da Cruz

Mittlerweile später Nachmittag und in Porto da Cruz angekommen, ließ ich mich direkt vor einem Hotel absetzen. Auf gut Glück versuchte ich dann ein Zimmer zu bekommen, bekam dann aber nur eine Absage mit „fully booked“. Auf Nachfrage, wo denn das nächste Hotel liegt, verwies man mich zwei Hausnummern weiter. Ich schlenderte daraufhin zum wenige Meter entfernt liegenden Hotel und fragte auch dort nach einem Zimmer. Auch dort bekam ich die Aussage „fully booked“ zu hören. Das letzte Zimmer sei heute erst gebucht worden. Auf meine Frage nach weiteren Hotels im Ort nannte man mir das eben von mir besuchte Hotel. Ich erzählte ihr, dass ich es dort schon erfolglos versucht hatte. Es stellte sich dann heraus, dass es in diesem Ort lediglich diese beiden Hotels gibt. Man verwies mich daher auf andere Nachbarorte, da es tatsächlich nur diese 2 Hotels im Ort gab. Ich stellte mich also innerlich darauf ein noch etwas weiterzulaufen und dann in einem Waldgebiet zu zelten. Allerdings machte sich die Rezeptionistin noch die Arbeit alle Reservierungen händisch zu prüfen, da das Buchungsportal booking.com Stornierungen nur unvorteilhaft berücksichtigt. Ich geduldete mich also einige Minuten und prüfte in der Zwischenzeit mein Kartenmaterial. Das Resultat der manuellen Überprüfung war dann, dass doch noch ein Zimmer frei war. Doppelzimmer mit Balkon und Meerseite – Jackpot. Ich bezog also sofort mein Zimmer und sah draußen einen Pool. Laut Nachfrage bei der Rezeption handelte es sich um einen öffentlichen Pool, der durch Meerwasser befüllt wird und somit um die 19°C Wassertemperatur hatte. Ich machte mich bei dem sonnigen Wetter also direkt auf den Weg zum Pool. Salzige Meeresluft stieg mir in die Nase und es kam sofort Urlaubsfeeling auf. Also so echter Urlaub mit Strand, entspannen und richtigem Essen. Ich habe es mir dann auch nicht nehmen lassen und bin einige Bahnen geschwommen. Aber ich muss schon sagen, dass das Wasser etwas frisch war. Zum Abendbrot gönnte ich mir dann ein Steak (medium), das so well done war, wie ich noch nie ein well done Steak hatte. xD Am Abend fand ich dann auch endlich mal die Zeit mein Buch auf dem Balkon weiterzulesen. Ein schöner Ausklang des Tages.

Weitere Impressionen des Tages

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