Tag 10: Side Trek Ice Lake

Langsam kam eine gewisse Routine in den morgendlichen Ablauf. 6:15 Uhr klingelte der Wecker und 6:45 Uhr gab es wieder einen Apple Pancake zum Frühstück. Doch eine Sache war anders. Es stand kein Wasser zum Hände waschen oder Spülen zur Verfügung. Die letzte Nacht war so kalt, dass das Wasser in den Leitungen gefroren war. Es musste also darauf gewartet werden, dass die Sonne das gefrorene Wasser wieder auftaut.

Da die Safe Drinking Water Station bereits 7:00 Uhr geöffnet hatte, machten wir uns nach dem Frühstück direkt auf den Weg dorthin. Ausgerüstet mit 2 Liter Wasser, 3 Energieriegeln, Mütze, Handschuhen, winddichter Softshelljacke und Sonnenbrille machten wir uns dann ohne Rucksack auf den Weg zum Ice Lake. Ohne Rucksack, da der Ice Lake abseits der eigentlichen Route liegt. In Manang legt man aufgrund der Höhe in der Regel einen Akklimatisierungstag ein, damit sich der Körper etwas an die Höhe anpassen kann. Somit sinkt beim weiteren Aufstieg das Risiko an der Höhenkrankheit zu erkranken. Da wir den Tag aber nicht nur rumsitzen wollten, suchten wir uns den Ice Lake als Side Trek heraus. Dieser liegt auf einer Höhe von 4600 m und begünstigt die Akklimatisierung. Der uns bevorstehende Anstieg von 3500 m auf 4600 m klang schon von vornherein sehr anstrengend.

Tag 10: Side Trek Ice Lake
Side Trek Ice Lake

Der Aufstieg wurde dann in der Tat zu einer wahren Tortur. Es ging bergauf, bergauf, bergauf und wenn man dachte man wäre gleich am Gipfel angekommen tat sich eine weite Fläche vor einem auf und am Ende war der nächste mehrere hundert Meter steile Berghang zu sehen. Dieses Spielchen wiederholte sich einige Male. Die Strecke an sich war nur wenig belaufen, so dass diese wesentlich anspruchsvoller und gefährlicher war also die bisherigen Strecken. Teilweise waren die Wege nicht breiter als eine Fußbreite. Da war besondere Vorsicht geboten.

Nach 4 Stunden und ohne größere Pausen erreichten wir dann endlich den Ice Lake. Der Weg dorthin war genial bzw. viel mehr der Ausblick. Um uns herum breitete sich das Annapurnagebirge aus und da es den Vortag geregnet/geschneit hatte, hatten wir klaren Himmel und einen überwältigenden Ausblick auf alle umliegenden schneebedeckten Berge. Aber auch der Blick ins Tal und auf alle umliegenden Dörfer war genial. Das Glück war auf unserer Seite.

Traumhaftes Panorama auf dem Weg zum Ice Lake
Traumhaftes Panorama auf dem Weg zum Ice Lake

Beim Ice Lake handelte es sich um einen kleinen See, der fast vollständig zugefroren war. Vor dem Ice Lake gab es allerdings noch einen weiteren See, in dem die Yaks wohl immer baden gehen. Glücklicherweise wurden wir in Manang schon vorgewarnt, dass wir uns von diesem See nicht in die Irre führen lassen sollen und der echte Ice Lake erst einige Minuten später kommt. Beim Ice Lake pausierten wir dann eine ganze Weile und trafen weitere Trekker, die dort ebenfalls pausierten. Auch hier war der Ausblick einfach grandios.

Stupa in Winterlandschaft beim Ice Lake
Stupa in Winterlandschaft beim Ice Lake

Auf dem Weg zum Ice Lake hatte ich bereits 1,7 Liter Wasser aufgebraucht. Japan hatte mich gelehrt, dass man immer etwas Wasser zurückhalten sollte. Daher bunkerte ich die restlichen 0,3 Liter für später. Nach einem Weilchen setzen bei uns Kopfschmerzen ein. Die Ärztin beim Altitude Talk betonte aber bereits am Vortag, dass die Kopfschmerzen beim Aufstieg zum Ice Lake meist nicht durch die Höhenkrankheit sondern einfach durch die Dehydration verursacht werden. Von daher machte ich mir da keine größeren Gedanken. Ohnehin würde sich beim Abstieg zeigen, ob die Kopfschmerzen wieder verschwinden. Wenn dies nicht der Fall ist, dann liegt wirklich eine Dehydration vor. Wie nicht anders zu erwarten verschwanden die Kopfschmerzen beim Abstieg nicht.

Die Sonnenbrille war Gold wert und ich verstand jetzt auch warum diese so zwingend notwendig war. Die grellen Sonnenstrahlen wurden durch den vielen Schnee so stark reflektiert, dass es ohne Sonnenbrille nicht möglich war, die Augen auch nur eine Sekunde wirklich offen zu halten. Die Sonnenbrille sollte somit zum dauerhaften Begleiter der kommenden Tage werden. Ich verstehe gar nicht wie Menschen es schaffen Schneeblind zu werden, da ich meine Augen ohne Sonnenbrille nicht hätte offen halten können.

Auf dem Rückweg nach Manang
Auf dem Rückweg nach Manang

Patrick hatte beim Abstieg Seitenstechen, zumindest vermutete ich das. Somit zog sich der Abstieg dadurch sehr stark in die Länge, da es einfach nicht besser werden wollte und wir somit sehr viele Pausen machen mussten. Letztendlich haben wir dann aber den Abstieg gemeistert und waren nach ca. 9 Stunden wieder zurück in Manang. Dort besuchten wir sofort die Safe Drinking Water Station. Ich stürzte das Wasser dann sofort hinunter, soweit es denn bei diesem eisigen Wasser machbar war. Anschließend genehmigte ich mir noch etwas aus einer Bäckerei.

Da unsere Kopfschmerzen mittlerweile einen nicht mehr tragbaren Zustand darstellten, legten wir uns 17:30 Uhr in unsere Schlafsäcke und versuchten eine Stunde zu schlafen. Wider Erwarten wurden die Kopfschmerzen nicht besser, sondern unerträglich. Wir nahmen beide jeweils eine Kopfschmerztablette aber auch diese schien nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Somit hieß es leiden. Abendbrot fiel dann aus, da wir vor Schmerz weder Hunger hatten, noch die Möglichkeit überhaupt groß rumzulaufen. Unser Tag endete somit unfreiwilligerweise sehr zeitig.

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