Tag 2: Vorbereitungen – TIMS Card & ACAP Permit

Die unruhige Nacht war überstanden und meine gestrigen Kopfschmerzen gehörten der Vergangenheit an. Der Tag startete direkt mit einem leckeren Frühstück auf der Dachterrasse. Es gab ein Omelette, schwarzen Tee, zwei Toasts, Marmelade und Papaya. Den Ausblick den wir während des Frühstücks genießen durften war etwas gewöhnungsbedürftig. Es gab in der ganzen Stadt nur schmale hoch gebaute Gebäude, die auf den Dächern meist schwarze Tonnen für die Warmwasserbereitstellung bereithielten. Der Anblick war zwar einerseits sehr trist aber andererseits glich er auch einem Wimmelbild, da es einfach so viel zu entdecken gab. So wusch eine Frau auf einem Dach mit ihren Händen die ganze Wäsche der Familie und das nur mit einem Stück Seife und ohne Waschbrett. Obwohl der Tag noch jung war, kletterten die Temperaturen auf 28°C und die Butter verdünnisierte sich langsam. Sehr praktisch, denn so kann die Butter direkt auf das Toast gegossen werden. ;D

Nach dem Frühstück gesellte sich Basu zu uns. Er saß gestern mit im Taxi und lotste uns in dieses Hotel. Sein Anliegen war jedoch beruflicher Natur, da das Hotel ebenfalls ein Unternehmen zur Ausrichtung von Trekkingreisen hatte. Demzufolge wollte er wissen, was wir geplant haben und ob wir einen Guide (Person, die einen auf dem Trek anleitet) und/oder Porter (Person, die den Trekkingrucksack trägt) benötigen. Ich machte ihm klar, dass weder Guide noch Porter notwendig sind und wir lediglich eine Fahrt von Kathmandu zum Startort Besisahar benötigen. Sofort grätschte ein Kollege von Basu dazwischen und sagte in ernstem Ton „Die Regierung hat erst kürzlich eine Guidepflicht angeordnet. Ohne Guide ist das Trekken nicht erlaubt.“ Ich guckte ihn unglaubwürdig an und tat es als Schwachsinn ab. Ich hatte mich erst vor wenigen Tagen im Internet auf den offiziellen Webseiten der entsprechenden Behörden informiert. An dieser Stelle war mir klar, dass man hier mit allen Mitteln versucht, uns ein vmtl. teures Trekking Reisepaket aufzudrücken.

Für die Buchung der Fahrt von Kathmandu nach Besisahar verließen wir das Hotel und schlenderten in das nur wenige Minuten entfernte Büro. Dort erwartete uns der Chef von Basu. Dieser hatte allerdings andere Pläne und begann das Gespräch ähnlich wie Basu. Wir fingen also noch einmal bei Null an und ich erklärte ihm, dass wir den Annapurna Circuit absolvieren möchten und das ohne Guide und Porter. Letztendlich wollten wir lediglich an den Startort gebracht werden. Das gefiel ihm gar nicht. Sofort berichtete er uns von vielen verunglückten Trekkern sowie Rettungsaktionen, die in den letzten Tagen initiiert wurden und zeigte uns prompt ein Video, wie ein Trekker am gestrigen Tag von einem Helikopter eingesammelt wurde. Da ich gut vorbereitet war und wusste welche Gefahren lauern, beeindruckte mich das nicht. Danach versuchte er uns mit den Vorteilen von Guides und Portern zu überzeugen. Anschließend folgte die Mitleidsmasche. Wir würden mit einer Buchung seiner Dienstleistungen eine 5-köpfige Familie ernähren. Auf meine Antwort, dass das Geld ohne Guide/Porter direkt bei den Guest House Besitzern in den einzelnen Dörfern landet erwiderte er lediglich, dass die schon reich genug sind. Interessanter Standpunkt. Danach wollte er uns weiß machen, dass eine Guidepflicht herrscht. Jedoch war es taktisch unklug, dies erst jetzt einzuwerfen. Ich erklärte ihm, dass es definitiv nicht so ist. Er bestand jedoch weiterhin darauf. Das war mir dann aber egal. Ich legte ihm zum wiederholten Male unsere Motive für die Trekkingreise dar, doch er wollte weiterhin nicht verstehen und seine Dienstleistungen verkaufen. Seine anschließenden Versuche uns mit bestimmten Fristen unter Zeitdruck zu setzen beeindruckten mich ebenso wenig. Unser Gegenüber zog wirklich alle Register und probierte es mit allen Methoden aber da hatte er sich den falschen Gesprächspartner ausgesucht. Letztendlich war es ein sehr anstrengendes Gespräch in dem uns die Fahrt von Kathmandu nach Besisahar verweigert wurde. Mir war mittlerweile klar, dass dieses Hotel mit dem dazugehörigen Trekking-Dienstleister schon sehr stark auf Abzocke ausgelegt war.

Nachdem wir wieder zurück im Hotel waren, machten wir uns gleich wieder auf den Weg. Unser Ziel war das Nepal Tourism Board, in dem wir eine TIMS Card beantragen und den ACAP Permit besorgen wollten. TIMS steht hierbei für Trekkers‘ Information Management System und dient der Protokollierung der Trekker. Im Fall eines Unglücks kann so festgestellt werden, welche Trekker sich in einer Unglücksregion befinden und wer alles gerettet werden muss. ACAP steht für Annapurna Conservation Area Project und dient der Erhaltung der Pflanzen- und Tierwelt. Die Herausforderung war nun das Nepal Tourism Board zu finden, denn was in Nepal als Straße bezeichnet wird, ist in Deutschland maximal ein verwahrloster enger Schleichweg. Ohne meine Karten-App und die Nutzung von GPS hätten wir unser Ziel nie gefunden. Der Weg war wirklich sehr krass und zeigte mir noch einmal wie sehr sich Nepal von Deutschland unterscheidet. Überall schlängelten sich Motorradfahrer durch die engen Gassen und hupten wie wild und die Wege waren von tausenden kleinen Ständen gesäumt, die Obst, Gemüse, Gewürze oder handgefertigte Waren verkauften. Zwischen den Geschäften wuselten unzählige Menschen umher, so dass sehr viel Dreck und Staub aufgewirbelt wurde. Durch die Motorräder kam zudem eine sehr starke Abgasverschmutzung hinzu, so dass viele Menschen bereits mit einfachen Atemschutzmasken herumliefen. Viele drückten sich auch einfach ein Kleidungsstück auf den Mund. Das überqueren von großen Straßen ist ebenfalls ein Erlebnis, denn es gibt fast gar keine Ampeln in Nepal und Zebrastreifen werden vollständig ignoriert. Es heißt dann also Frogger spielen und sich im total chaotischen Verkehr langsam über die Straße zu tasten.

Nach ca. 45 Minuten Fußweg war das Nepal Tourism Board endlich in Sicht. Ein etwa 6-jähriger griff mit seinen kleinen Händen nach meinen Fingern und bettelte. Mit einem unangenehmen Gefühl ignorierten wir dies und betraten dann das Gebäude. Die Beantragung der TIMS Card kostete 2000 NPR [ca. 16,60 €] und erforderte die Angabe aller persönlichen Daten und der Reiseroute. Auch die Angabe der Auslandskrankenversicherungs-ID wurde verlangt. Diese hatte ich jedoch im Hotel liegen gelassen. Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit. Musste ich jetzt nur deswegen wirklich noch einmal den Weg zum Hotel zurücklaufen?! Auf Rückfrage bei der Dame am Schalter kam jedoch heraus, dass die Angabe nicht wirklich notwendig ist. Nochmal Glück gehabt. :) Danach habe wir das ACAP Formular ausgefüllt. Somit haben wir fast alle Angaben noch ein weiteres Mal machen müssen. Die Kosten lagen auch hier bei 2000 NPR. Da der Drucker zum Drucken der ACAP Permits defekt war, hieß es dann 1,5 Stunden warten bis die Reparatur dann endlich einmal geglückt ist. Man schien nach dem Motto zu arbeiten, wenn ich heute nicht drucken kann, dann vielleicht morgen.

Der Rückweg zum Hotel verlief dann schon etwas routinierter und wir flossen mittlerweile reibungslos mit dem chaotischen Strom an Menschen, Tieren und Motorrädern mit. Nach dem Stopp im Hotel machten wir uns auf die Suche nach einem Geldautomaten, da wir immer noch nicht unsere 50.000 NPR zusammen hatten. Nachdem wir fündig geworden waren, hoben wir wieder jeweils 2-mal 10.000 NPR ab, denn es gab wieder einmal ein Limit von 10.000 NPR. Anschließend suchten wir noch nach etwas Equipment für die Reise. Wir besorgten uns also noch eine Thermounterhose für die eisigen Berge, eine gute Mütze sowie eine Art Hüttenschuhe.

Als letzter Punkt auf unserer Liste war nun noch die Planung der Fahrt von Kathmandu nach Besisahar offen. Es war bereits spät und die Zeit lief uns davon. Wir fragten daher an der Rezeption unseres Hotels, ob sie uns behilflich sein könnten. Diese offerierten uns den Local Bus und den Deluxe Bus. Da der Local Bus eine reine Tortur ist entschieden wir uns für den Deluxe Bus. Von diesem hatte ich bei meinen Recherchen zwar noch nie gelesen aber mittlerweile war mir alles egal. Ich wollte nur noch irgendwie nach Besisahar kommen und unseren Zeitplan nicht schon am ersten Tag gefährden. Für teure 1600 NPR [ca. 13,30 €] pro Ticket kauften wir diese dann und jemand fuhr zum Busbahnhof und holte die Tickets für uns ab. Blöderweise war das komplette Ticket in Nepali, so dass wir nicht einmal wussten was dort alles vermerkt war. Erst nach mehrmaliger Nachfrage erklärte man uns ein paar Angaben..

Den Abend verbrachten wir dann ohne Strom, da in unserem Stadtteil Stromausfall angesagt war. Über einen eigenen Generator wurde zumindest das Notlicht gespeist. Das Laden der Smartphone war dann ebenfalls noch ein Abenteuer. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass Strom Naturgesetzen unterliegt aber anscheinend nicht in Nepal. ;D Nach dem Abendbrot fielen wir dann tot ins Bett.

Unterwegs im Stadtteil Thamel

2 Comments

  1. D&G

    Nach Deinen Tagebucheinträgen der ersten zwei Tage kommt man ganz schnell zur Erkenntnis: Wie gut gehts uns in D!!!!!
    Die Vorab-Selbstinformation getreu dem Motto „Wer nichts weiß muss alles glauben“ scheint nicht nur mir im täglichen Alltag sondern auch Dir bei Deinem Abenteuer hilfreich zu sein. Da haben wir wohl die gleichen Gene :-)
    Ich hoffe es geht nicht so „abenteuerlich“ weiter und die nächsten Reisetage haben Euch für die „Anfangsprobleme“ entschädigt und freue mich schon auf die weiteren Tagebucheinträge und im Sommer dann bitte in der alten Heimat auf einen Live-Reisebericht!

    1. shion

      Ja, wir können uns wirklich glücklich schätzen, dass es uns hier so gut geht. Es gibt so viele Dinge die wir als selbstverständlich ansehen, die es in Nepal aber nicht einmal ansatzweise sind. Das öffnet einem die Augen.
      Zum Glück waren nur die Tage in den größeren Städten etwas „abenteuerlich“. Während des Treks wurde es dann zum Glück angenehmer. :)

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