Tag 4: Schutzhütte Mieskentjakke – Berghütte Fältjägaren

Die heutige Etappe wurde ebenfalls von mir umgeplant, so dass es von der Schutzhütte Mieskentjakke bis zur 24 km entfernten Berghütte Fältjägaren gehen sollte.

Umzingelt von Mücken

Meine Nacht war mit 10 Stunden Schlaf wieder ausreichend lang. Der Tag startete somit 6:45 Uhr. Um die Helligkeit musste ich mir ohnehin keine Gedanken machen, da es um diese Jahreszeit in Schweden einfach rund um die Uhr hell ist. Glücklicherweise hatte ich eine Schlafmaske eingepackt, so dass ich auch schon die letzten Nächte ohne Probleme schlafen konnte.

Mein Blick nach dem Aufwachen fiel natürlich zuerst an die Zeltdecke bzw. auf den Bereich zwischen Innen- und Außenzelt. Über die Nacht hatten sich dort einfach hunderte Mücken versammelt. In mir wuchs sofort der Wunsch das Zelt am besten gar nicht mehr zu verlassen. Von daher begann ich diesmal den Schlafsack, die Luftmatratze und die restlichen Gegenstände im Zelt zusammenzuräumen. Und das in meinem winzigen Zelt in dem nahezu keine Bewegungsfreiheit herrscht. Aber trotzdem war dies allemal besser als raus ins Mückenschlachtfeld zu ziehen. Natürlich bin ich nicht darum herum gekommen das Zelt tatsächlich zu verlassen. Ich musste dann allerdings wieder kontinuierlich in Bewegung bleiben. Der Abbau des Zeltes ermöglichte es mir eine ganz neue Erfahrung zu machen, denn das Abziehen des Außenzeltes fühlte sich einfach episch an. Als würde ich mit einem Befehl ein Heer an Mücken in den Kampf schicken. Blöderweise war ich der Feind.

Auf zur Fjällstation Helags

7:35 Uhr machte ich mich dann auf den Weg zur Fjällstation Helags. Aufgrund der Mückenplage gab es zum Frühstück lediglich einen Snickers. Das Wetter war wieder einmal ziemlich durchwachsen und mit 10 °C etwas kühl. Anfangs fühlte es sich noch recht warm an aber nachdem es dann zunehmend windiger geworden ist und sich der Himmel immer weiter zugezogen hatte wurde es dann doch relativ schnell wieder unangenehm. Landschaftlich waren die nächsten Kilometer wieder von Flachland geprägt, die ohne nennenswerte Vegetation daherkam. Zudem wies der Landstrich viele Seen und Flüsse auf. Am Horizont waren diesmal schneebedeckte Berge zu sehen, wodurch ein schöner Kontrast zustande kam.

Interessante Brückenkonstruktionen
Interessante Brückenkonstruktionen

Fjällstation Helags

Fjällstation Helags
Fjällstation Helags

10:45 Uhr erreichte ich dann nach 12 km die Fjällstation Helags. Da diese Fjällstation auch wieder aus mehreren Hütten bestand, suchte ich die Haupthütte, in welcher in der Regel die Rezeption, der Shop und das Restaurant untergebracht sind. Nachdem ich erst die falsche Hütte angesteuert hatte betrat ich dann den Vorraum der Haupthütte. Allerdings war mein Körper der Meinung mir mal wieder das Leben schwer machen zu müssen. Kribbeln in den Händen und im Gesicht, Atemnot sowie viele bunte Punkte vor Augen, so dass ich nahezu nichts mehr lesen konnte. Mein Körper war im Eskalationsmodus und mir war klar, dass wenn das so weiter geht ich in den nächsten Sekunden oder Minuten abklappe. Ich kaufte mir im Shop schnell eine zuckerhaltige Limo und ein paar Schokokekse. Beim Bezahlen fragte man mich, ob ich denn den Weg zur Hütte gerannt wäre. So fühlte es sich zumindest für mich an, aber dem war eigentlich nicht so. Ich legte mich dann schnell auf eine Bank bis es wieder ein bisschen besser wurde und versorgte mich anschließend mit etwas Zucker.

Gulaschsuppe mit Brot

Gulaschsuppe
Gulaschsuppe

Um wieder etwas zu Kräften zu kommen, entschied ich mich dazu eine längere Pause einzulegen und etwas zum Mittag zu bestellen. Ich bestellte eine Gulaschsuppe, zu der es frisch gebackenes Brot sowie Butter gab. Auf die Frage, wann ich denn essen möchte antwortete ich, so schnell wie möglich da ich ausgehungert bin. Logisch, denn ich hatte aufgrund der Mücken weder ein richtiges Abendbrot noch ein richtiges Frühstück. 11:00 Uhr wurde mir dann bereits die Gulaschsuppe serviert. Es gab sogar Crème fraîche. Das Zeug hätte ich zu diesem Zeitpunkt löffelweise pur essen können. Auch das frisch gebackene Brot mit viel Butter war einfach ein Traum. Draußen zogen immer mehr Wolken auf, die dann zunehmend dunkler wurden. Somit sank bei mir die Lust die warme Hütte zu verlassen. Einen Luxus, den ich mir nicht entgehen lassen konnte, war die Toilette – eine echte Toilette mit Wasserspülung!

Kein Wetter kann mich stoppen!

Nach meiner ausgedehnten Pause ging es dann 13:30 Uhr weiter. Beim Verlassen der Hütte fiel mir der Wetterbericht der kommenden Tage auf, der auf einem Display angezeigt wurde. Für Übermorgen wurden 2 °C und durchgehend Regen angezeigt. Konnte das Wetter wirklich noch so viel schlechter werden?! Es wurde also Zeit diese Gegend so schnell wie möglich zu verlassen.

Das Wetter hatte sich weiter verschlechtert, so dass es mittlerweile stürmisch war und es leicht regnete. Ich zog mir also meine Hardshelljacke an und machte mich auf den Weg. Während ich den Bereich um die Fjällstation Helags verließ grüßte mich aus der Ferne noch eine Person, die neben seinem Zelt stand. Kurz darauf war ich auch schon wieder allein im Fjäll unterwegs. Mein Ziel war die ca. 12 km entfernte Berghütte Fältjägaren.

Die nächsten 2 Stunden war ich bei Sturm und leichtem Regen unterwegs. Somit war das Laufen deutlich anstrengender. Zum Glück ließen der Wind und der Regen dann langsam nach.

Unterwegs bei Wind und Wetter
Unterwegs bei Wind und Wetter

Gegen 17:15 Uhr erreichte ich das Ziel meiner heutigen Etappe, die Berghütte Fältjägaren. Diesmal handelte es sich tatsächlich nur um eine einzige relativ kleine Hütte. 500 Meter weiter fand ich dann einen relativ trockenen Zeltplatz, der leicht windgeschützt hinter einem Hügel lag.

Abendroutine

Das Zelt war dann relativ schnell aufgebaut und da ich immer noch gut gesättigt war gab es zum Abendbrot Nüsse und Kekse. Traumhaft. Die restliche Zeit nutzte ich dann um noch ein wenig den Ausblick zu genießen.

Traumhafter Ausblick
Traumhafter Ausblick

18:00 Uhr fing es dann schon wieder zu regnen an. Da ich glücklicherweise auf ein ausgiebiges Abendbrot verzichtet hatte lag ich allerdings schon im Zelt in meinem warmen Schlafsack. Meine Blasenanzahl hatte sich auf 5 erhöht, da ich eine Blase an der Verse vom rechten Fuß und eine Blase seitlich an der linken Hacke bekommen hatte. Auch mein linkes Bein meldete sich wieder die letzten 3 Kilometer. Ich vermutete, dass die Sehne wohl einige Tage Ruhe braucht damit ich schmerzfrei weiterlaufen kann. Aber mehrere Tage an einem Ort verweilen und nur im Zelten liegen war keine Option. Zudem machte sich der schwere Rucksack mittlerweile in einem bösen Muskelkater bemerkbar, denn es war kein normaler Muskelkater mehr, sondern einfach nur noch ein brennender Schmerz. 19:30 Uhr endete dann mein Tag und ich schaltete per Schlafmaske in den Nachtmodus.

Insgesamt war die heutige Etappe 24 km lang.

Weitere Impressionen des Tages

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