Tag 4: Refuge d’Asinao – Refuge d’Usciolu

Heute existierten wieder 2 mögliche Routen um den Zielort Refuge d’Usciolu zu erreichen. Einerseits der alte GR20 der mit 15,5 km noch einmal einen Kilometer länger war als die gestrige Strecke und mit einer Gehzeit von 8:55 Stunden schon echt abartig ist. Zudem wurde der alte GR20 mit 1140 Höhenmeter Aufstieg sowie 890 Höhenmeter Abstieg angegeben. Andererseits gab es den neuen GR20 der die lange Strecke auf 2 Etappen aufteilte, so dass eine Nacht in der Refuge Matalza verbracht wird. Ich hatte mir vorgenommen den alten GR20 zu laufen, sofern ich an der Kreuzung, an dem sich der alte und neue GR20 gabelten, noch genug Kraft und Motivation drüber haben sollte.

600 Höhenmeter als Morgensport

Die Refuge d’Asinao lag direkt an einem Berghang und schon letzten Abend war klar, dass dieser Berghang erklommen werden musste. Genau genommen handelte es sich um 600 Höhenmeter die sich lediglich auf 2 km verteilten. Dementsprechend steil sah der Anstieg auch aus. Um den anstrengenden Aufstieg nicht noch schwieriger zu machen, wollte ich rechtzeitig aufbrechen um der Sonne zu entgehen. Mein Wecker klingelte daher schon 5:45 Uhr. Im Dunkeln und ausgerüstet mit meiner Stirnlampe baute ich mein Zelt ab und verstaute meine Ausrüstung im Rucksack. Pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen startete ich dann 6:30 Uhr. Wirklich ausgeruht war ich nicht, da ich diese Nacht versuchte ohne Luftmatratze zu schlafen, was sich im Nachhinein als eine äußerst dumme Idee herausstellte.

Auf dem Weg zur Bocca Stazzunara
Auf dem Weg zur Bocca Stazzunara

Für den kompletten Aufstieg benötigte ich dann 2 Stunden. Mit 1 km/h war ich dann doch relativ zügig unterwegs. Wie nicht anders zu erwarten war der Berghang teilweisie so steil, dass geklettert werden musste. Auf einigen Fotos ist gut erkennbar welche Höhen und stark geneigten Steinplatten überquert werden mussten. Ihr könnt auf den Fotos insbesondere einmal auf die rot-weißen Wegmarkierungen achten, damit ihr euch vorstellen könnt wo der Weg entlangführte. Da ich so zeitig unterwegs war, konnte ich den anspruchsvollern Aufstieg bei einer angenehmen Temperatur meistern. Somit kam richtig Freude beim Klettern auf. Einige Granitblöcke und Felsformationen lagen allerdings dermaßen schräg, dass ich sorge hatte wegzurutschen. Dementsprechend versuchte ich immer einen Teil meines Gewichts auf die Trekkingstöcke zu verlagern.

Monte Incudine

Auf dem Monte Incudine
Auf dem Monte Incudine

Nachdem ich den Berg erklommen und somit den auf 2025 Höhenmetern gelegenen Bocca Stazzunara erreicht hatte musste ich mich entscheiden, ob ich den neuen oder den alten GR20 laufen möchte. Da ich noch voller Energie und Motivation war, entschied ich mich für den alten GR20. Nur 30 Minuten später erreichte ich dann einen der schönsten Aussichtsberge Korsikas – den auf 2134 Höhenmetern gelegenen Monte Incudine. Das Wetter war perfekt und somit hatte ich einen Ausblick auf ca. 2/3 der Insel. Nachdem ich den Ausblick einige Zeit genossen hatte, ging es wieder 700 Höhenmeter nach unten. Da ich auf dem alten GR20 unterwegs war, folgte ich nun nicht mehr den weiß-roten Markierungen sondern den gelb-gelben Markierungen. Unterwegs machte ich noch eine Pause an einer Quelle und füllte meine Wasserreserven auf.

Mittagspause und die Hochebene Plateau du Coscione

Passend zur Mittagszeit erreichte in einen Fluss über den eine Hängebrücke führte. Das teilweise sandige Flussufer lud zum Pausieren ein und ich entschied mich dazu, Mittagessen zu kochen. Denn einerseits hatte ich noch eine weite Strecke vor mir und benötigte viel Energie und andererseits konnte ich so etwas der Mittagssonne entkommen. Zum Mittag gab es dann Reis mit Rindfleisch und Paprika. Meine Füße freuten sich auch über das kalte Wasser und konnten sich etwas im sandigen Boden erholen. Auch die belgische Gruppe, mit der ich die letzten 2 Tage schon einige Male in Kontakt gekommen bin traf dann am Fluss ein und begann Mittag zu kochen.

Hochebene Plateau du Coscione
Hochebene Plateau du Coscione

Ich machte mich dann wieder auf den Weg, wohlwissend dass der weitere Weg in der Mittagssonne zur Qual werden würde. Die Route führte dann über die Hochebene Plateau du Coscione. Die Pflanzenwelt beschränkte sich ausschließlich auf kniehohe Gewächse, so dass es keinen Schatten zum Pausieren gab. Somit began wie erwartet die Quälerei. Ich traf glücklicherweise auf ein französisches Pärchen, so dass wir die Hochebene dann gemeinsam durchquerten. Nach 2 km erreichte ich dann die 2. Quelle und konnte erneut meine Flaschen auffüllen. Bis hierhin hatte der Tag wirklich Spaß gemacht. Nachdem die ersten beiden Tage sehr beschwerlich waren empfand ich heute richtige Freude beim Laufen.

Auf dem Kammweg Arrête des Statues

Aber dann sollte sich das Blatt wenden. Nach mittlerweile 9 Stunden zeigte meine Muskulatur deutliche Ermüdungserscheinungen und auch die Sonne setzte mir wieder ordentlich zu. Vor mir lagen allerdings noch 3,5 km die kein Spaziergang werden sollten. Die Wanderung auf dem Kammweg verlangte mir nochmal alles ab. Denn der Weg führte am Grat entlang und schlängelte sich immer wieder über den Grat. Somit ging es mal viele Meter hoch inkl. viel Kletterei, dann auf die andere Seite des Grats, dann wieder runter und danach wieder hoch, damit anschließend wieder ein Wechsel auf die andere Seite des Grats folgen konnte. Insbesondere die teilweise anspruchsvollen Klettereinlagen waren mit dem schweren Rucksack äußerst anstrengend, vor allem wenn die Muskeln erschöpft sind. Oft konnten Fehltritte schwerwiegende Folgen haben und zu einem tiefen Sturz führen.

Unterwegs traf ich dann ein anderes französisches Pärchen. Mit ihnen wanderte ich ein Stückchen des Grats, ließ sie dann aber hinter mir da sie noch deutlich langsamer waren als ich. Die Refuge d’Usciolu war bereits seit langer Zeit am Horizont zu sehen aber der Weg zog sich ewig hin und wollte einfach kein Ende nehmen. Immer wieder stellte ich mir die Frage, warum ich mich dermaßen in den Bergen abqäule und nicht am Strand liege. Am liebsten hätte ich zu diesem Zeitpunkt einfach alles hingeschmissen.

Refuge d’Usciolu

Baguette, Käse und Orangina
Baguette, Käse und Orangina

Nach 11,5 Stunden erreichte ich dann endlich die Refuge d’Usciolu. Physisch und psychisch am Ende war ich einfach nur glücklick das Ziel erreicht zu haben. Ich kaufte mir meinen Zeltstellplatz, eine Packung Chips und eine Orangina (eine Art Fanta). Danach war erstmal Erholung angesagt. Während ich meine Chips verspeiste entdeckte mich Christian, so dass wir uns wieder über die heutige Etappe austauschten. Anschließend kaufte ich mir noch ein Baguette, ein Stück Käse und noch eine Orangina. Meine Energietanks waren komplett leer und mussten unbedingt aufgefüllt werden. Der kleine Shop auf dem Zeltplatz war einfach dermaßen super ausgestattet, dass man fast alles erwerben konnte was das Herz begehrte.

Ich traf dann beide französische Pärchen wieder und letztendlich aßen wir dann alle gemeinsam Abendbrot. Einer bot mir dann auch ein Stükchen korsische Salami an, die echt super lecker war. Etwas später kam ein Franzose vorbei, der selbst gebrannten korsischen Alkohol verteilte. Da konnte ich natürlich nicht nein sagen. So wie alle anderen lehnte ich meinen Kopf nach hinten und öffnete meinen Mund. Er goss dann einen ordentlichen Schluck hinein und sofort brannte meine Speiseröhre und mein Magen. Es schmeckte echt lecker aber war verdammt hochprozentig.

Danach war wieder Duschen mir eiskaltem Wasser in einem winzigen Betonloch angesagt. Das Zelt musste ich dann schon in der Dämmerung aufbauen. Währenddessen lernte ich noch ein deutsches Pärchen kennen, dass den GR20 erst von Nord nach Süd probiert hatte. Aufgrund des 20 kg schweren Rucksacks mussten sie allerdings abbrechen, da sie es körperlich nicht geschafft hatten. Da machte ich mir direkt etwas Sorgen, ob ich den Norden mit meinem 21 kg Rucksack überhaut schaffen werde. Mittlerweile war es dunkel und somit Zeit zum Schlafen.

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