Tag 5: Jagat – Dharapani

Durch die gestrigen Strapazen ließen wir den Tag erst 7:15 Uhr beginnen. Die Nacht schenkte mir 9 erholsame Stunden Schlaf, die auch wirklich notwendig waren. Lediglich ein Holz hackender Nepalese und mehrere krähende Hähne versuchten meine Nachtruhe gegen 6:00 zu stören. So erholsam die Nacht auch war, die Anstrengungen vom Vortag steckten mir trotzdem noch in den Knochen. 7:45 Uhr stand dann unser Frühstück bereit – Omlette in Chapati. Bei Letzterem handelt es sich um ein sehr dünnes Fladenbrot, das relativ wenig Eigengeschmack aufweist. Da der Berg auf der anderen Seite des Flusses die ganze Nacht über brannte, stank es überall nach Qualm. Auch unsere Klamotten hatten den Gestank schon angenommen. Ich erinnerte mich sofort an den tollen Geruch der Klamotten nach einem Abend am Osterfeuer.

Relativ spät brachen wir dann nach Dharapani auf. Beim Verlassen von Jagat kam wieder einmal ein Kind zu mir gelaufen, griff meine Hand und wollte unbedingt mit mir mitlaufen. Das fand die Mama aber nicht so lustig. xD Ich habe mich schon mit dem Gedanken angefreundet, in Deutschland mit einer Schar an nepalesischen Kindern einzureisen. xD

Aufgrund der vielen Blasen an den unterschiedlichsten Stellen an beiden Füßen war das Laufen eine wahre Qual. Auf dem Weg entdeckten wir außergewöhnlich viele Echsen, die ich zu Patricks Leidwesen unbedingt alle fotografieren musste. Jetzt habe ich eine Riesensammlung an Echsenbildern. *muha* Der Zielort Dharapani liegt auf einer Höhe von 1860 m und somit 560 m höher als unser Ausgangsort Jagat. Wie nicht anders zu erwarten wurde der Aufstieg wieder ziemlich anstrengend. Die Landschaft war wieder grandios und lud zum Träumen ein, hier und da ein paar Ziegen die in den steilen Berghängen unterwegs waren und genüsslich am Grünzeug knabberten, imposante Wasserfälle, der tosende Fluss und wieder viele geniale Brücken.

Auf dem Weg nach Dharapani. Voll der Tunnel, ey. xD
Auf dem Weg nach Dharapani.

Mittag genehmigten wir uns dann im Örtchen Tal. Für mich kam wieder nur der Energiespender Veg. Egg Fried Potate infrage. Da Patrick seine 2. Portion Dhal Bat nicht mehr schaffte, sprang auch dort noch etwas Essen für mich heraus. :) Während wir aßen zog sich der Himmel zu und es wurde ziemlich windig. Ohne Sonne und mit Wind kühlte es so schnell ab, dass wir uns unsere Fleecejacken überziehen mussten. Von Tal nach Dharapani war die Strecke bei weitem nicht so anstrengend wie der gestrige Marsch. Dies lag aber primär daran, dass wir die Trekkingpfade nicht nutzen und auf der „Straße“ (wohl eher ein Feldweg im schlechten Zustand) laufen mussten. Der Trekkingpfad auf der gegenüberliegenden Flussseite war gesperrt bzw. wurden Steine in den Weg gestapelt und eine Nachricht an die Felsen geschrieben. Die genaue Ursache war uns jedoch nicht bekannt. Eine halbe Stunde später sahen wir dann warum der Weg nicht begangen werden sollte. Es gab einen massiven Erdrutsch der den Weg mit sich gerissen und teilweise unter sich begraben hat. Aber auch unsere „Straße“ erschien mir nicht wirklich sicher, da immer wieder große Felsbrocken auf dem Weg lagen, die aus dem Felsmassiv herausgebrochen waren. Ein Stein hätte bereits ausgereicht um sich den Schädel spalten zu lassen. Ich passierte die Stellen somit mit höchster Aufmerksamkeit.

Tag 5: Jagat - Dharapani
Jagat – Dharapani

Nach 8 Stunden und 15 zurückgelegten km erreichten wir letztendlich Dharapani. Wir schnappten uns das erstbeste Guest House und warfen unsere Sachen ab. Die Zimmer waren komplett aus Holz gefertigt und das Bett war wieder in Ordnung. Generell wurde es zu meiner Routine als erstes im Zimmer das Bett zu prüfen. Es fiel aber sofort auf, dass aktuell wieder kein Strom zur Verfügung stand. Wir bestellten dann unser Abendbrot und warteten im Speisesaal bei Notlicht (1 Glühbirne) auf unser Essen. Blöderweise benötigte ich ein Taschentuch, das noch auf unserem Zimmer lag. Da es draußen mittlerweile dunkel war, und in Nepal ist es wirklich stockduster, musste ich mich im Dunkeln in das erste Obergeschoss vortasten, dann den Gang zu unserem Zimmer erraten und letztendlich noch das Schloss öffnen. In der Zukunft sollte die Stirnlampe am Abend zu meinem ständigen Begleiter werden! Apropros Stirnlampe. Die Suche nach dieser war ebenfalls ein Abenteuer. Nachdem ich sie nach längerer Suche endlich ertastet hatte wurde es endlich Licht.

Wie auf den Fotos ersichtlich ist, kommen in Nepal wie auch in Japan standardmäßig Hocktoiletten zum Einsatz. Da ich aber schon genügend Übung hatte, stellte dies für mich kein Problem dar. Da es in Nepal aber keine richtigen Wasseranschlüsse gibt, ist die Spülung nicht funktionstüchtig. Es steht somit immer ein Eimer mit Wasser zum manuellen Spülen zur Verfügung. Aufgrund der Spülproblematik darf auch kein Toilettenpapier in die Toilette geworfen werden. Von daher steht ein weiterer Eimer neben der Toilette, in den das Toilettenpapier geworfen werden soll. Auch beim nächtlichen Toilettengang hat sich die Stirnlampe dann als wertvoller Begleiter erwiesen. So hatte man nämlich beide Hände frei. ;D

Da ab 19:00 Uhr bereits stockdunkel in Nepal ist und ohne Strom sowieso alles einem riesigen schwarzen Loch glich, blieb uns nichts anderes übrig als schon 20:00 Uhr ins Bett zu gehen. Wir glichen uns langsam dem nepalesischen Dorfleben an. Aufstehen wenn die Sonne aufgeht und schlafen gehen wenn die Sonne untergegangen ist.

Weitere Impressionen des Tages

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