Miyajima

Unser heutiger Ausflug führte uns auf die Insel Miyajima. Der Weg dorthin bestand aus einer 30-minütigen Zugfahrt und einer 10-minütigen Fahrt mit einer Fähre. Letzteres war besonders interessant für mich, da meine letzte Fahrt mit einer Fähre solange zurück liegt, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Auf dem Weg nach Miyajima merkten wir schon, dass es das Touristenziel schlechthin ist. Dies schmeckte uns gar nicht, da wir uns auf einmal wieder mit rücksichtslosen Menschen herumschlagen mussten.

Auf der Insel Miyajima angekommen, brach die Wolkendecke langsam auf. Nachdem wir unsere ersten Schritte aus der Anlegestelle herausgesetzt hatten, wurden wir sofort von Rehen begrüßt. Bei diesen handelt es sich um wild lebende Tiere. Da musste ich sofort an den Besuch des Ortes Nara während meiner ersten Japanreise denken (siehe hier). Lustigerweise wurde auf vielen Schildern gewarnt, dass die Rehe Kleidung und Papier fressen. Dies durften wir auch mehrfach miterleben. Es sah schon lustig aus, wie die Rehe einfach die Kleidung von Menschen angeknabbert haben oder Unterlagen wie Kartenmaterial oder Papiertaschentücher einfach aus der Hand gezogen und schnell aufgefressen haben. Die Betroffenen hatten keine Chance. xD

Wir starteten unseren Rundgang jedenfalls auf der Insel und besuchten neben kleineren Schreinen auch das weltbekannte Torii (sehr großes rotes Tor auf den Fotos). Dieses ist mittlerweile schon ein richtiges Wahrzeichen von Japan. Wenn ihr die Fotos seht, werden ihr es sicherlich erkennen. Von der Bedeutung her, trennt ein Torii den Ort wo die Götter leben von dem Ort wo die Nicht-Götter leben. Somit sind Torii immer vor Schreinen zu finden. Der dahinter liegende Schrein ist in diesem Fall der ebenfalls sehr berühmte Itsukushima Schrein, der ebenfalls auf den Fotos zu finden ist. Dieser wurde im 12. Jahrhundert gebaut und gehört mittlerweile zum Weltkulturerbe.

Da uns das Wetter wieder ziemlich zu schaffen machte, besorgten wir uns erstmal ein Eis. Ein traditionelles Eis, das aus zerraspelten Eiswürfeln besteht und mit viel Sirup übergossen wird. Zusätzlich holte ich mir meinen allerersten Dango-Spieß. Hierbei handelt es sich um Reiskuchen, der gedämpft und mit einer sirupartigen Soße übergossen wird.

Nachdem wir nach unserer Stärkung an einer entlegenen Ecke ankamen, an der fast keine anderen Touristen mehr anzutreffen waren, entdeckten wir eine Wanderroute in die Berge. Miyajima besteht nämlich zum Großteil aus Bergen. Wir entschieden uns also Bergwandern zu gehen. Unsere Ausrüstung, wenn man es denn so nennen kann, war zwar nicht optimal dafür aber wir wollten uns den Spaß nicht nehmen lassen. Das erste Schild am Wegesrand, das uns doch kurz zögern lies, war die Warnung hinsichtlich giftiger Schlangen. Mit kurzen Hosen fühlte man sich doch ein wenig unsicherer als mit langen Jeans. Aber auch dies hielt uns letztendlich nicht ab. Vor uns lagen also ca. 3 km relativ steiles Bergterrain. Der Anfang der Tour war noch recht angenehm aber schon nach kurzer Zeit wurde der Weg immer anspruchsvoller. Die Kondition lies nach, unser Proviant neigte sich dem Ende und die Luftfeuchtigkeit tat wieder den Rest erledigt. An irgendeinem Punkt waren wir dann komplett durch. Die Tour hat uns wirklich an unsere körperlichen Grenzen geführt aber sie war es allemal wert. Die Pflanzenwelt, die vielen eingewachsenen, bemoosten Steine, die Bergflüsse und Wasserfälle waren einfach atemberaubend. Aber auch die Tierwelt beschäftigte uns. So sahen wir viele Rehe und Hirsche, massig Eidechsen, viele Kröten, abartig große Libellen, Monsterhornissen gegen die deutsche Hornissen nur kleine Brummer sind, komische Käfer, einen gigantischen Tausendfüßler, Fasane und sogar eine Schlange. Letzte jagte mir einen riesigen Schreck ein, da ich beim Bergaufstieg genau neben diese getreten bin. Die Schlange wich somit sofort ins Untergehölz aus. Das herumliegende Laub sorgte für ein entsprechendes Raschelgeräusch. Laut dem Muster der Schlange war diese nicht giftig, mir schlug das Herz trotzdem bis zum Hals.

Der gut 2-stündige Aufstieg und die 535 zurückgelegten Höhenmeter wurden dann mit einem phänomenalen Ausblick belohnt. An der Spitze des Berges Misen ragte ein riesiger Monolith hervor, der perfekt als Aussichtsplattform genutzt werden konnte. Somit wurde uns ein Blick auf die umliegenden Berge und Täler, die völlig unberührte umliegende Natur und das Meer ermöglicht. Nachdem wir von diesem Ausblick genug Fotos geschossen hatten, ließen wir uns dort nieder und ließen diesen Ausblick einfach auf uns wirken. Das Gefühl solch einen Ausblick nach einem so langen und kräftezehrenden Aufstieg zu entdecken war einfach überwältigend.

Den Rückweg wollten wir dann mit der Seilbahn zurücklegen. Jedoch war uns nicht bekannt, dass diese nicht direkt neben der Bergspitze zu finden war, sondern auf einer nahegelegenden anderen Bergspitze. Somit mussten wir nochmal gut einen Kilometer bergiges Gelände überwinden. Erst Bergab und dann wieder ein kräftezehrendes Bergauf. Nachdem wir endlich bei der Seilbahnstation angekommen waren, mussten wir feststellen, dass die letzte Seilbahn 17:30 Uhr abgefahren ist. Da zu diesem Zeitpunkt bereits 18:00 Uhr war, hatten wir die letzte Seilbahn um eine halbe Stunde verpasst. Das war dann erstmal ein Schlag ins Gesicht, da wir weder Essen noch Trinken hatten und wir bereits sehr verausgabt waren. Mit knallroten Gesichtern ging es dann also wieder zurück bis zur letzten Weggabelung. Dort führte ein 2 km langer Weg wieder den Berg hinab. Wie sich herausstellen sollte, war dieser Weg nicht annähernd so fordernd wie die Route für den Aufstieg. Was uns antrieb war die Sorge vor der Dämmerung. In Japan wird es nämlich ab 19:30 Uhr schlagartig dunkel und im dichten Wald bei unwegsamen Gelände und glibschigen Wegen bei Dämmerung zu wandern schrie gerade zu nach gebrochenen Beinen. Glücklicherweise konnten wir den Weg schnell zurücklegen, so dass wir dieses Problem umgehen konnten. Wieder an der Fährstation angekommen, fielen wir entkräftet in die dortigen Stühle des Warteraums. Unsere Oberschenkel, Waden und Fußsohlen schmerzten. Der Rückweg war somit anstrengender als gedacht. Letztendlich würde ich dieses Fußmarsch aber wieder auf mich nehmen. Die Eindrücke dieser Tour waren einfach einmalig.Miyajima

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6 Comments

    1. shion

      Richtig getippt. ^^
      Das wussten wir vorher aber auch nicht. Ich war nur erst verwundert warum das Torii nicht im Wasser steht, so wie man es von vielen Bildern kennt. Als wir dann von unserer Wandertour zurück kamen stand es auf einmal im Wasser. :D

  1. Wow! Bei den ganzen Rehlein geht mein Herz auf ^^ Super Bilder, die Umgebung sieht echt fantastisch aus und der Ausblick erstmal :-)
    Der Ausflug gefällt mir dann bisher wohl am besten ;-)

  2. Ric O.

    Krass, dass ihr bei dem Wetter da hochgekraxelt seid. :D
    Aber ihr haettet ja ordentlich was verpasst, wenn nicht.

    Das mit den Rehen is ja total cool. Laufen rum und essen die ganzen Karten der Touris auf. xD
    Die sind bestimmt von den dortigen Kartenverkäufern abgerichtet worden. xD
    Auf alle Fälle echt beeindruckend. Vor allem die ganze Natur ist toll, ohne großen Menschenauflauf. Das find ich immer toller, da wir in Berlin ja das krasse Gegenteil haben. :-)

    1. shion

      Vor allem fand ich die unberührte Natur genial. Aus Brandenburg kennt man ja nur die ganzen künstlich angelegten Wälder. Aber auf Miyajima wuchs alles wie es wollte. Das war echt etwas total anderes und sehr beeindruckend.

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